Gölä: «Das Otto's-Konzert ist ein Trainingslager»

07.11.2018, sti
Marco Pfeuti (50) alias Gölä rockt anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums von Otto’s am 24. November in Sursee. Eine Woche später feiert er im Hallenstadion Zürich mit «Gölä20» sein eigenes Jubiläum.

Gölä, kennst du Sursee?

Dort fahre ich dran vorbei (lacht). Ich kenne Sursee nicht wirklich, was gibt es denn sonst ausser Otto’s?

 

Zum Beispiel stammt der Fussballer Haris Seferovic aus Sursee.

Uh, Sport, da habe ich keine Ahnung.

 

Am 11. November feiert Sursee jeweils den Gansabhauet. Hast du schon davon gehört?

Wo man den Gänsen den Kopf abhaut? Das gibt es doch auch in Deutschland. Ist das eine echte Gans?

 

Ja.

Dass ihr das noch dürft. Es geht nicht mehr lange, dann kommt einer und sagt, das dürft ihr nicht mehr machen.

 

Warum singst du in Sursee?

Otto’s hat mich angefragt. Vor grossen Konzerten sind wir immer froh, wenn wir irgendwo sonst spielen können, um live zu üben. Die Otto’s-Show ist sozusagen unser Trainingslager.

 

Kaufst du auch bei Otto’s ein?

Ja, aber das macht meine Frau. Sie ist der Chef, wenns ums Einkaufen geht. Es gibt in Wimmis einen Laden, dort gehen wir oft hin.

 

20 Jahre sind seit dem Debütalbum «Uf u dervo» vergangen. Wie unterscheidet sich der Gölä von damals von dem von heute?

Ich bin älter geworden, der Ranzen ist grösser und die Haare sind grauer.

 

Und von der Musik her?

Vor zwanzig Jahren habe ich noch viel mehr getrunken, weil ich vor einem Auftritt auf der Bühne fast in die Hosen schiss. Ich musste lernen, dass es auch ohne Alkohol klappt. Je grösser der Erfolg wurde, desto professioneller mussten wir werden. Wir merkten, dass der Rock’n’Roll nichts mit Alkohol und Drogen zu tun hat, sondern mit ganz harter Arbeit und Nüchternheit.

 

Heute trinkst du gar kein Bier mehr nach einem Konzert?

Doch, eines nehmen wir noch, bevor wir nach Hause fahren. Ich übernachte nicht gerne in Hotels. 

 

Mit über 250’000 verkauften Exemplaren ist «Uf u dervo» das bislang erfolgreichste Schweizer Mundart-Album. Siehst du dich auf einer Stufe mit Mani Matter und Polo Hofer?

Ich mache keine Stufe, sondern mein Ding. Sie haben ihr Ding gemacht. Fertig. Wer Vergleiche macht, hat schon verloren.

 

Was ist dein Erfolgsgeheimnis?

Wenn ich das wüsste, würde ich es verkaufen und ein Buch schreiben. Ich glaube, ich habe einfach ein Geschenk und kein Erfolgsgeheimnis. Die Lieder habe ich ja nie studiert, sie sind von selber gekommen. Ohne esoterisch werden zu wollen, sind es wohl irgendwelche Wellen, die im Weltall umherschweben. Ich habe irgendwie eine Empfangsantenne für Mundartlieder. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich darauf stolz sein kann. Ich habe das Lieder schreiben ja nicht gelernt, es ist einfach von selbst gekommen.

 

Singst du lieber Englisch oder Mundart?

Ich singe beides gerne. Musik ist Musik, ob afrikanisch, indonesisch, Mundart oder Englisch. Das ist völlig egal. Musik hat mit der Seele zu tun. Da gibt es keine Sprachgrenzen.

 

Singst du auch in der Freizeit?

Ich singe nicht gross in meiner Freizeit, da ich kein Berufsmusiker im eigentlichen Sinn bin. Ich bin meistens auf einer meiner Baustellen am Arbeiten, und abends falle ich dann todmüde ins Bett. Deshalb muss ich vor einem Gölä-Konzert immer üben wie ein «Tubel».

 

Hast du ein Lieblingslied?

Nein, jedenfalls nicht eins von meinen eigenen. Wichtig ist, dass man merkt, was die Fans gerne hören, und dann diese Lieder auch live spielt. Mein Publikum bezahlt ja schliesslich Eintritt dafür, dass ich den «Schwan» oder den «Büetzer» spiele. 

 

Du hast immer das Bild des einfachen Büetzers gepflegt. Wie viel Büetzer steckt noch im Gölä 2018?

«Gepflegt» habe ich das nie, das mit dem Pflegen wird von Journalisten so dargestellt. Ich bin halt einfach ein
Büetzer, da kann ich ja nichts dafür. Wenn ich nicht Musik mache, hocke ich auf einem Bagger oben, bin irgendwas am Betonieren oder sonst welche Arbeiten am Erledigen.

 

Du schaffst es, das Hallenstadion dreimal zu füllen. Wahnsinn!

Ja, aber andere schaffen das auch.

 

Macht dich das stolz?

Ich habe gar keine Zeit, um stolz zu sein. Es macht mich eher nervös.

 

Nach 20 Jahren Erfahrung bist du immer noch nervös?

Ja, es macht mich fertig, ich hasse es und gehe nicht gerne auf Tour.

 

Spielst du lieber im kleinen Kreis?

Ich spiele überhaupt nicht gerne vor Leuten. Ich mache zwar gerne Musik und liebe es, meine Lieder aufzunehmen, aber ich hasse es, auf der Bühne zu stehen.

 

Wie bereitest du dich auf ein Konzert vor, wenn du es nicht gerne machst?

Ich übe einfach wie ein Verrückter. Üben, üben, üben, so dass ich mir denke, ich hätte nicht noch mehr üben können.

 

Übung macht den Meister.

Meister bin ich deswegen noch lange nicht. Aber etwas sicherer. Es hilft.

 

Die Schweiz und ihre Werte sind für dich zentral. Darf man heute überhaupt noch sagen, dass man ein stolzer Schweizer ist?

Ich bin gar nicht stolz, aber dankbar dafür, als Schweizer geboren zu sein. Ich bin zu viel gereist, um nicht zu wissen, wie viel Unrecht und Armut es auf dieser Welt gibt. Warum sollte ich stolz sein, Schweizer zu sein? Ich habe ja nicht viel zum Wohlstand beigetragen. Es waren vor allem unsere Vorfahren, die extrem hart gearbeitet haben, und davon profitiert unsere Generation immer noch. Deshalb hatte auch ich von Anfang an gute Chancen, etwas aus meinem Leben zu machen. Wir sollten Sorge tragen zur Schweiz und die Werte aufrechthalten, die unsere Grosseltern hatten. Denn diese Werte sind mit ein Grund dafür, dass unsere Kinder zum Beispiel studieren können und keinen Hunger leiden müssen. Das vergessen wir manchmal.

 

Wir sollten den Erfolg unserer Grosseltern bewahren?

Ja, alle anderen auf der Welt verehren ihre Ahnen. Warum sollen wir das nicht auch dürfen? Ich finde, dank ihnen sind wir dort, wo wir sind.

 

Du übtest in den vergangenen Jahren öfters Kritik an der zu linken und zu EU-orientierten Regierung in Bundesbern. Wirst du bei der Abstimmung zur Selbstbestimmungs-Initiative ein Ja in die Urne legen?

Ich finde, Europa redet uns zu viel drein. Noch können wir frei abstimmen, aber immer mehr scheint Brüssel oder Strassburg am Ende zu entscheiden, ob ein Abstimmungsergebnis oder ein richterlicher Beschluss bei uns gilt oder nicht. Was wir als Schweizervolk sagen, ist denen ziemlich egal, und das wiederum darf uns nicht egal sein. Ich glaube, dass Europa und die ganze Welt von unserem System der direkten Demokratie profitieren könnten. Ich wünsche allen Menschen auf dieser Welt, dass sie eines Tages wählen und abstimmen können wie wir Schweizer, dann wäre die Politik ihrer Länder ganz anders. Die meisten können nur zwischen Pest und Cholera wählen. Aber wir können selber bestimmen, wer in der Regierung ist. Frau Merkel und ihre Regierung zum Beispiel haben wahrscheinlich gar nichts zu sagen, weil Deutschland immer noch offiziell von den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs annektiert ist. Das wissen viele Leute gar nicht.

 

Zurück nach Sursee. Auf was dürfen sich die glücklichen Gewinner der Tickets an deinem Konzert bei Otto’s freuen?

Ich spiele in Sursee alle Mundarthits, die ich auch am 1. und 2. Dezember 2018 im Hallenstadion in Zürich spielen werde.

 

Wie lange dauert das Konzert in Sursee?

Es wird circa eineinhalb Stunden dauern. Wir werden all die grossen Hits spielen und es wird eine riesen Mitsingparty werden. Es ist schön und faszinierend zu sehen, wie das Publikum alle Lieder auswendig mitsingen kann.

 

Tickets fürs Gölä-Konzert in Sursee zu gewinnen!

Diese Zeitung verlost 3x2 Tickets fürs Gölä-Konzert am 24. November in Sursee. Wer am Wettbewerb teilnehmen möchte, drückt auf der Facebook-Seite der «Surseer Woche» unter www.facebook.com/surseerwoche auf «Gefällt mir». Eine doppelte Gewinnchance erarbeitet sich, wer den Wettbewerbs-Beitrag, der auf der «Surseer-Woche»-Facebook-Seite aufgeschaltet wird, zusätzlich liket und mit einem Kommentar verziert. Kein Facebook? Kein Problem. Die Teilnahme ist auch per Postweg möglich an Surseer Woche AG, Unterstadt 22, 6210 Sursee. Einsendeschluss ist am 20. November.

Übrigens: Das «Gölä20»-Jubiläums-Konzert im Hallenstadion Zürich (u.a. mit Bonnie Tyler und vielen weiteren Überraschungsgästen) am Samstag, 1. Dezember, und das Zusatzkonzert am Sonntag, 2. Dezember (19 Uhr), sind seit geraumer Zeit restlos ausverkauft. Für das dritte Konzert am Sonntag,
2. Dezember, um 13 Uhr, gibt es nur noch eine beschränkte Anzahl Tickets bei ticketcorner.ch.