Wer folgt auf Paul Gerig?

25.07.2018, fz
Paul Gerig tritt als Gemeindepräsident von Geuensee per Ende 2018 zurück. Doch die Suche nach Kandidaten gestaltet sich für die Ortsparteien bisher schwierig.

Noch bis zum Montag, 6. August, können bei der Gemeinde Geuensee Wahlvorschläge für das Gemeinderatspräsidium eingereicht werden. Sollte bis zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als eine Kandidatur eingereicht werden, so wäre die vorgeschlagene Person in stiller Wahl gewählt. Doch bis heute ist offiziell keine Kandidatin oder ein Kandidat bereit, sich für das Gemeinderatspräsidium zur Verfügung zu stellen.

FDP: Alle Anfragen abgelehnt
«Wir sind immer noch auf der Suche nach Kandidaten», sagt Adrian Ruch, Präsident der FDP Geuensee, der sich selber nicht für das Amt zur Verfügung stellen möchte. Die Suche sei bisher erfolglos geblieben. Alle angefragten Personen hätten abgelehnt, so das ernüchternde Fazit des Ortsparteipräsidenten. Dies vor allem aus beruflichen Gründen. Wie Ruch erklärt, habe die FDP den Anspruch, eine Person zu portieren, die zu den Finanzen schaue und die Gemeinde nach innen wie aussen kommunikativ sicher vertrete. Im Rahmen einer kurzfristig einberufenen Vorstandssitzung am kommenden Montag solle nun das weitere Vorgehen besprochen werden. «Diskutiert wird dann auch, was wir unternehmen, falls sich überhaupt kein Kandidat zur Verfügung stellen sollte.»

SVP: Hoffnung nicht aufgegeben
Ebenfalls noch nicht fündig geworden ist die SVP: «Wir sind viele gestandene Personen angegangen, die eine Bereicherung für die Gemeinde wären», erklärt die Ortsparteipräsidentin der SVP, Eveline Dahinden. «Jedoch kann sich niemand vorstellen, im bestehenden Gremium zu arbeiten. Dies ist das grösste Problem.» Auch die Ortsparteipräsidentin der SVP zieht eine eigene Kandidatur nicht in Erwägung. Sollte sich niemand aus ihren Reihen zur Verfügung stellen, hiesse es abwarten: «In zwei Jahren finden die Erneuerungswahlen statt. Dann sieht die Situation wieder anders aus», sagt Dahinden. Ganz habe sie die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben: «Fünf Kandidaten haben Bedenkzeit. Diese werden sich bis zum 2. August entschieden haben.»

CVP: Keine Kandidaturen bekannt
Die CVP ist als Ortspartei in Geuensee derzeit inaktiv. Wie CVP-Gemeinderat Hansruedi Estermann auf Anfrage erklärt, seien ihm momentan keine Kandidaturen seiner Partei bekannt.
Keine Wahlvorschläge gibt es auch von Seiten des Innovativen Forums Geuensee: «Wir beobachten die Situation und unterstützen grundsätzlich all jene, die aus unserer Sicht wahlfähig sind», sagt Robert Schmidlin vom Innovativen Forum Geuensee. Für ihn sei klar: «Wir brauchen für dieses Amt sattelfeste Leute, die von dem Amt, das sie ausüben, eine Ahnung haben.»

Wahl wird gleichwohl durchgeführt
«Bisher sind noch keine Wahlvorschläge eingegangen», bestätigt Albert Albisser, CEO der Gemeinde Geuensee. Falls bis zum 6. August kein Vorschlag eingehe, werde die Wahl gleichwohl durchgeführt. Jeder Stimmberechtigte erhalte dann einen Blanko-Stimmzettel: «Es kann jeder in der Gemeinde stimm- und wahlberechtigte Einwohner auf den Zettel geschrieben werden. Gewählt ist dann, wer das absolute Mehr der gültigen Stimmen hat», so Albisser.

 

Kommentar

Dominique Moccand

In Geuensee tritt Gemeindepräsident Paul Gerig Ende Jahr zurück. Eine Umfrage bei den Parteien zeichnet ein düsteres Bild. Knapp zwei Wochen bevor die Wahlvorschläge eingereicht sein müssen, kann keine Partei potenzielle Kandidaten vorweisen. Hierzu einige Gedanken.


Fakt 1: Es ist immer schwieriger, geeignete Kandidaten für die Exekutivämter zu finden. Dies ungeachtet derer objektiven Attraktivität – auf welcher Staatsebene lässt sich unmittelbar so viel beeinflussen wie auf jener der Gemeinde?


Fakt 2: Die Milizämter sind attraktiv – aber nicht über alle Massen. Die Komplexität der Ressorts wird immer grösser, die Ratspensen hingegen stagnieren.


Fakt 3: Diese Ambivalenz macht deutlich, wie wichtig die Suche und Pflege potenzieller Kandidaten bereits während der Amtszeit ist – und nicht erst kurz vor den Wahlen.


Fakt 4: Als stärkste Kraft in Geuensee sollte der SVP daran gelegen sein, Einsitz in den Gemeinderat zu nehmen. Umso mehr befremdet die Fundamentalopposition der Partei, deren Mitglieder sich standhaft wehren, mit dem aktuellen Gremium zusammenzuarbeiten.


Was bleibt? Die Hoffnung, dass die Parteien bis zum 6. August trotzdem noch Kandidaten aus dem Hut zaubern – und damit den Bürgern die stille Wahl oder der Blanko-Stimmzettel erspart bleiben.