Markus Fischer lebt die Leidenschaft für den Kult-Bulli

14.08.2018, moc
Nächstes Jahr feiert Markus Fischer das 20-Jährige seiner Garage in St. Erhard. Die Faszination für den VW-Bus begleitet ihn schon lange.

Alte Postkarten prangen an der Fensterscheibe, die Markus Fischers Büro von der Werkstatt trennt. Allen gemein sind pittoreske Landschaften, klassische Feriensujets – und VW-Busse. Der rot-weisse T1, der Kult-Bulli und Fischers erster VW-Bus überhaupt, strahlt einem mit seinen kugelrunden «Augen» aber nicht nur von den Postkarten an. Makellos glänzt er im morgendlichen Sonnenlicht vor Fischers Garage in St. Erhard. «Ein Traum», schwärmt Fischer noch heute.

Als der 50-Jährige seinen T1 vor 17 Jahren gekauft hatte, war er in einem miserablen Zustand. Nicht für lange: Fischer zerlegte und restaurierte den Bulli von Grund auf, revidierte den Motor, verpasste ihm eine neue Karosserie. Tausende von Franken habe er bis heute sicher investiert, sagt Fischer. Ob es sich gelohnt hat? «Natürlich! Er fährt wie neu, eine Panne hatte ich noch nie mit ihm.»

Teure Raritäten
Der Run auf die beliebten Oldtimer, die eigentlich VW Transporter heissen, ist bis heute ungebrochen. Wie kein anderes Fahrzeug schart der Bulli eine Fangemeinde um sich. Egal, ob luft- oder wassergekühlt, ob günstig erworben oder für teures Geld die Luxusausführung des modernen T6 gekauft: «Der VW-Bus verspricht Unabhängigkeit und Nostalgie. Dieses Versprechen löst er ein, und steht deshalb bei Jung und Alt hoch im Kurs», sagt Fischer, dessen Mietbusse im Sommer stark gefragt sind.

Oft seien es junge Familien, die bei ihm einen moderneren T4 oder T5 mieten würden, weil sie die Ferien im VW-Bus mit ihren Eltern noch in guter Erinnerung hätten. Zudem: Die Miete sei eine praktische Alternative zur kostspieligen Anschaffung. Ältere Modelle in gutem Zustand werden für mehrere zehntausend, echte Raritäten wie der T1 Samba mit 23 Fenstern für über hunderttausend Franken gehandelt.


Es kann immer was kaputtgehen
In seinem Einmannbetrieb an der Längmatt in St. Erhard erfüllt Markus Fischer viele Kundenwünsche: vom regulären Service über die Installation von Autoradios und Schlafdachaufsätzen hin zu kompletten Innenausbauten, Spenglerarbeiten und Motorrevisionen. Die Einfachheit der Mechanik schätzt Fischer an den älteren VW-Bussen. Und: Die Ersatzteilsituation ist so gut, dass Reparaturarbeiten im Falle einer Panne von den meisten Werkstätten in ganz Europa ausgeführt werden können.

«Trotzdem muss ich meine Kunden immer wieder darauf aufmerksam machen, dass sie im Falle eines T1, 2 oder 3 einen Oldtimer fahren. Da kann immer was kaputtgehen, auch wenn die Motoren bei guter Wartung locker 300’000 Kilometer mitmachen», sagt Fischer.


Ein Mekka für Bulli-Fans
Nächstes Jahr feiert Markus Fischer das 20-Jahr-Jubiläum seiner Garage. Als er sich 1999 in die Selbstständigkeit wagte, war seine Garage eine der wenigen in der Zentralschweiz, die VW-Busse wartete und vermietete. Von weit her, aus Zürich, Winterthur und der Ostschweiz pilgerten die Anhänger des Bullis damals nach St. Erhard. Heute kommen seine Kunden mehrheitlich aus der Zentralschweiz – notabene ohne je Werbung zu machen, erklärt Fischer. «Alles läuft über Mund-zu-Mund-Propaganda.»


Seine Leidenschaft für die Kleinbusse von Volkswagen nahm während des Militärdiensts ihren Lauf. Als Mechaniker wartete er dort die VW-Busse der Schweizer Armee. Doch erst später, als er sich schon selbstständig gemacht hatte, kristallisierte sich sein Faible für die Bullis heraus. Er begann, die Busse zu reparieren und zu restaurieren. Drei seiner Busse lagern derzeit in Oberkirch und warten darauf, dass Markus Fischer Hand an sie legt.

Zum 20-Jahr-Jubiläum fertig
Auf die Frage, welches Projekt als nächstes ansteht, schmunzelt Markus Fischer und deutet auf einen unscheinbaren VW-Bus, aufgebockt auf der Hebebühne. «Ein T2b Pritschenwagen mit Doppelkabine. Danach habe ich lange gesucht.» Zum Jubiläum will ihn Fischer fertig restauriert haben. Obschon noch gänzlich nackt, hat sein Spengler bereits 300 Stunden in das Fahrzeug investiert. «Und bis 2019 werden es wohl noch einige Stunden mehr sein», sagt Fischer und lacht.