«Esel sind für mich so super Tiere»

12.09.2018, DZ
Seit 20 Jahren gibt es die Bettagswanderung. 20 Jahre lang hat ihr Marcel Sonderegger den Stempel aufgedrückt. Nun tritt er ins zweite Glied zurück und übergibt die Organisation an Alois Häcki. Sonderegger ist ein Esel-Fan. Und genau dieses Grautier spielt an der Bettagswanderung eine wichtige Rolle.

Man muss von einer Idee schon total überzeugt sein, wenn man sich 20 Jahre lang für sie ins Zeug legt. Genau das hat der in Nottwil aufgewachsene und seit einigen Jahren mit seiner Frau in der Haselwarte auf Oberkircher Gemeindegebiet lebende Marcel Sonderegger getan. Seit vor 20 Jahren die erste Bettagswanderung stattfand, hat er diesen Anlass als Mitglied der Projektgruppe der Bewegung «Wieder mehr Sonntag» organisiert.

Wider den Klamauk
Wie kam es dazu? 1986, im Zuge des ökologischen Aufbruchs nach Tschernobyl, war Marcel Sonderegger Mitbegründer des Forums Neuland. In diesem Umfeld kam er zusammen mit Hansruedi Aregger einige Jahre später auf die Idee, den zuerst von der reformierten, dann von der katholischen Tagsatzung und 1796 schliesslich offiziell als ökumenischen Feiertag eingeführten Bettag mit einer Wanderung aufzuwerten. Das Anliegen «Wieder mehr Sonntag» war ihm auf Anhieb sympathisch. «Man muss dem Sonntag als Tag der Ruhe, der Erholung und des Geniessens Sorge tragen», ist der 75-Jährige noch heute überzeugt. So wandte er sich «wider den Klamauk», wie er es nennt, unterstützte das Verbot, am Bettag ein FCL-Fussballspiel auszutragen, mit dem sich seinerzeit die Surseer Regierungsrätin Margrit Fischer in die Nesseln setzte, und tat sich wiederholt dezidiert als Kämpfer gegen die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten hervor.

Wo Pferde versagen, …
Die Idee der Wanderung ist inspiriert von den Pilgerwegen, die sinnbildlich für das Modell der Entschleunigung stehen – eines Modells, das für Marcel Sonderegger aktueller denn je ist: «Beim Wandern kann der Mensch ruhig werden, sich in der Landschaft und Natur bewegen. Apropos Natur: Bei der Bettagswanderung war immer ein Esel dabei – oder gar mehrere der Grautiere. Für den langjährigen Organisator sind Esel «so super Tiere»: «Sie begleiten den Menschen schon seit Jahrtausenden und stehen für Beharrlichkeit, Genügsamkeit, Langsamkeit und Treue zu sich selbst. Eigenschaften, die uns Vorbild sein können.» Papst Johannes XXIII. soll sogar gesagt haben: «Wo Pferde versagen, schaffen es die Esel.»

… schaffen es die Esel
Marcel Sonderegger wehrt sich denn auch vehement gegen die landläufige Meinung, Esel seien störrisch und stur: «Das ist für mich fast eine Beleidigung.» Richtig sei, dass diese Tiere keine Brücke überqueren, wenn sie freien Blick in den Abgrund haben. «Solche Situationen hat es auf den Bettagswanderungen einige gegeben.»
Die positiven Eigenschaften des Esels standen auch Pate für den Eselspreis, den vom Bildhauer Rochus Lussi geschaffenen Wanderpreis. Dieser wird seit jeher im Verlauf der Bettagswanderung an Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die beharrlich Wertvolles leisten, ohne im Medienfokus zu stehen. Wer diesen Preis am kommenden Sonntag mit nach Hause nehmen darf, verrät Marcel Sonderegger nicht: «Den Preisträger geben wir nie im Voraus bekannt. Sonst würden ja die Medien gar nicht mehr über die Verleihung berichten», schmunzelt der Mann, der sich selber als «zeitungssüchtig» bezeichnet. Als passionierter Zei-
tungsleser präsidierte er von 1992 bis 2009 den Verwaltungsrat der Surseer Woche AG.

Kämpfer für das Kulturland
Von 1983 bis 1995 sass der Psychologe FSP, der noch heute regelmässig Seminare durchführt, für die CVP Nottwil im Grossen Rat. Und bei der öV-Kundenorganisation Pro Bahn wirkte er einige Jahre im Vorstand der Sektion Zentralschweiz mit. «Neben dem Zeitungslesen ist das Bahnfahren ein Hobby von mir», lässt er durchblicken.
Wenn Marcel Sonderegger von einer Idee oder einer Sache überzeugt ist oder gegen einen Missstand in seinen Augen ankämpft, dann legt er sich auch heute noch mit Verve und Beharrlichkeit ins Zeug. Neben dem Hochhalten des Sonntags gilt dies in letzter Zeit namentlich für den Schutz des Kulturlands, das seiner Ansicht nach zusehends vom Moloch der baulichen Entwicklung aufgefressen zu werden droht. So ist er einer der Initianten der Kulturlandinitiative.

«Augenhöhe» passt
Das Motto des heurigen Bettags heisst übrigens «Augenhöhe». «Das passt doch hervorragend zum Konzept der Bettagswanderung», findet Marcel Sonderegger.