Ostern – woran glaubst du denn noch?

21.04.2019, Ina Stankovic
Woran glaubst du denn noch? Ina Stankovic, Pastoralassistentin in der Pfarrei Sursee schreibt zum Thema Ostern.

Es gibt Filme und Bücher, die schaut man nur einmal. Ist das Ende bekannt, ist die Spannung dahin, die Geschichte verliert ihren Reiz. Dann gibt es aber auch Klassiker wie «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel». Die gehören jedes Jahr wie Guetzli und Tee in die Adventszeit. Nun steht aber nicht die Weihnachtszeit, sondern Ostern vor der Tür und damit verbunden auch viele Bräuche und Traditionen, die jedes Jahr von vielen Menschen gepflegt werden.

Der Kühlschrank ist voll, da die Geschäfte vier Tage hintereinander geschlossen sind. Die Wohnung erstrahlt schon viele Tage vor Ostern im Frühlings- und Osterschmuck, Osterhasen werden aufgestellt und fleissig Eier bemalt. Auch im Religionsunterricht der 2. Sek in Sursee wurde die Frage nach der historischen, theologischen und persönlichen Bedeutung von Ostern diskutiert. Dabei kam die Frage auf: «Woran glaubst du eigentlich noch?». Das «noch» in der Frage scheint zu implizieren, dass man im Lauf der Zeit an immer weniger glaubt – als würde der Glaube mit den Lebensjahren abnehmen.

Dass der Glaube an Osterhase und Co. mit dem Erwachsenwerden in den Hintergrund rückt, ist normal. Diese Tatsache bedeutet jedoch nicht, dass der persönliche Glaube als Ganzes aus dem Leben eines jungen Menschen verschwindet. «Vielleicht ist ja wirklich irgendwas daran wahr, an der ganzen Auferstehungssache mit Jesus», meinte ein Schüler im Gespräch. Aber ganz sicher sei er sich nicht. Sich den Fragen zu stellen, die einem auf dem eigenen ganz persönlichen Glaubensweg begegnen, gehört zum Erwachsenwerden dazu.

 

Alte Fragen bleiben, neue kommen

Manchmal scheint mir, als hätten die Karwoche und das Osterfest etwas von einem Film, den man schon tausendmal gesehen hat. Und gerade weil die Bräuche und Traditionen sich jedes Jahr wiederholen, ist es für viele jedes Jahr eine neue Herausforderung, sich diesem christlichen Fest, mit allen Zweifeln und kritischen Anfragen die man/frau an die Kirche als Institution hat, neu zu stellen. Alte Fragen bleiben, vielleicht kommen auch neue hinzu oder haben sich längst verabschiedet.

Das Grab ist leer. Jesus ist auferstanden. Für die Jünger war das damals unfassbar. Und auch heute noch fällt es vielen schwer, an eine Auferstehung oder ein Leben nach dem Tod zu glauben. Der Glaube und die Hoffnung sterben aber zuletzt – sagt man. Und bis dahin bleibt die Spannung vom Osterereignis erhalten: Gerade im Gespräch mit denen, die wütend sind auf die Kirche, mit den Lauten und mit denen, die der Kirche nichts mehr zu sagen haben, mit den Atheisten, den Agnostikern. Mit denen, die Gott Krishna, Devi und Allah nennen oder «grosses Fragezeichen». Über das Glauben, Hoffen, Zweifeln. Über das Leben, Sterben und alles, was sonst noch dazugehört. Dass diese Begegnungen die Osterzeit für mich lebendig und spannend machen und der Glaube keine abgeschlossene Sache der Kirche ist, daran glaube ich ohne Zweifel.

 

Ina Stankovic, Pastoralassistentin in der Pfarrei Sursee