«Wasser wird nur knapp, wenn man nichts tut»

12.11.2018, fz
Die lang anhaltende Trockenheit verlieh dem Klimawandel in diesem Sommer auch in der Region Sursee ein Gesicht. Solche Extreme dürften in der Zukunft zum Normalfall werden, erklärte Rolf Weingartner von der Universität Bern.

«Sie haben ihn gespürt, ich habe die Daten dazu gesehen», sagte Rolf Weingartner, Professor für Hydrologie an der Uni Bern, eingangs seines Referats. Er meinte den Hitzesommer 2018 und die damit verbundene, lang anhaltende Trockenheit, die auch in dieser Region zu Wasserknappheit führte. «Klimawandel in der Region Sursee – Das Wasser macht uns zu Direktbetroffenen» lautete das Thema der Monatsveranstaltung der Groupe Politique Kreis Sursee vom vergangenen Montag in Schenkon. Und der Publikumsaufmarsch zeigte, dass das Thema Klimawandel interessiert.

 

Schweiz überproportional betroffen

Referent Rolf Weingartner kennt die Region um den Sempachersee. In der Vergangenheit untersuchte der renommierte Professor für Hydrologie mit Studenten beispielsweise die Zuflüsse des Sempachersees. Doch bevor Weingartner konkret auf die Auswirkungen des Klimawandels in dieser Region einging, vermittelte er der Zuhörerschaft zunächst einige grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel. Eine der zentralsten Feststellungen lieferte er gleich vorweg: «Die Klimaänderung ist menschengemacht – 800’000 Jahre Klimageschichte belegen dies.» Die heute gemessenen, hohen CO2-Werte seien nicht mehr natürlichen Ursprungs.

Obwohl die Sonneneinstrahlung in den vergangenen Jahrzehnten leicht abgenommen habe, erwärme sich die Erde stetig. Und dies nicht überall gleich stark: Seit Mitte des 19. Jahrhunderts sei die Temperatur an der Erdoberfläche im globalen Durchschnitt um 0,85 Grad Celsius gestiegen, in der Schweiz sogar um 1,8 Grad Celsius. «Wir werden von der Erderwärmung überproportional betroffen sein», so das Fazit Weingartners. «Das Problem ist, dass wir mit dem veränderten Klima unseren bisherigen Erfahrungsbereich verlassen und in Extremsituationen mit oftmals unbekannten Herausforderungen gelangen.»

 

Wasser vom Vierwaldstättersee?

Die lang anhaltende Trockenheit im Hitzesommer 2018 stellte diese Region  vor Herausforderungen. Und laut den Prognosen der Klimaexperten dürften sich solche extremen Ereignisse in Zukunft häufen, ja, zum Normalfall werden. Was also tun?

Den Sempachersee als ausreichendes Wasserreservoir zu betrachten, sei nicht angebracht, sagt Weingartner. «Der Abfluss der Sure muss gewährleistet sein, ein bestimmter Wasserstand beim Sempachersee darf nicht unterschritten werden.» In einem Trockenjahr wie dem heurigen sei die Nutzung von Seewasser deshalb keine Option. Ein Anstoss in die richtige Richtung sei das Projekt Aquaregio. «Die Wasserversorgungen müssen sich vernetzen. Um die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können, muss man sich gegenseitig aushelfen können», so Weingartner. Für ihn könnte die Vernetzung sogar noch weiter gehen, als dies beim Projekt Aquaregio aktuell der Fall sei: «Warum nicht den Vierwaldstättersee ins Auge fassen?»

 

Jetzt die Initiative ergreifen

Die Region steuere nicht auf eine Katastrophe zu, aber sie müsse den Herausforderungen der Zukunft mit adäquaten Mitteln begegnen, mahnte Weingartner. So müssten gezielt Instrumente zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt werden. Die Voraussetzungen hierfür seien gerade in einem hochentwickelten Land wie der Schweiz bestens. «Wenn wir es in der Schweiz nicht schaffen, dann schafft es auch die Welt nicht.» Doch es brauche tatkräftige Akteure, welche jetzt die Initiative ergreifen würden. Weingartner ist überzeugt: «Trinkwasser wird nur dann knapp, wenn man nichts tut.»