Der ganz normale Familienwahnsinn

06.04.2019, Lukas Bucher
Der Wiener Comedian Niko Formanek hat die kleinen und grossen Alltagsgeschichten als Thema. Dass diese nicht nur Ärger, sondern auch viel Spass bereiten können, bewies er in seinem Programm «Gleich Schatz», das er vergangenen Donnerstag im Begegnungszentrum Schenkon zum Besten gab.

Eigentlich wissen wir es ja alle: Die eigentlichen grossen Dramen spielen sich weder auf der politischen Bühne noch auf der Bühne der grossen Schauspielhäuser noch auf der Kinoleinwand ab. Nein, sie passieren jeden Tag in der Familie. Gemeint sind nicht Mord und Totschlag, sondern im Gegenteil die kleinen Geschichten und Missverständnisse zu Hause. Dieses Familien- und Eheleben karikierte der österreichische Kabarettist Niko Formanek am vergangenen Donnerstag im Gemeindezentrum Schenkon. Mit diesem Anlass nahm die neu formierte Kulturkommission die Tradition der Comedy-Abende wieder auf.

Wiener Schmäh

Niko Formanek legte gleich zu Beginn mit viel Tempo und echtem Wiener Schmäh los. Das Rätsel um den viel gerühmten «Schmäh» lüftete er gleich selber: «Das ist, wenn man ganz Schlimmes ganz charmant verpackt», lautet seine Definition. Dies war denn auch gleich eine Ansage, der er den ganzen Abend treu blieb. Viel Charme versprühend nahm er so ziemlich jedes heikle Thema des Familienlebens aufs Korn. Man spürte in jeder Faser: Der Mann auf der Bühne weiss, wovon er spricht. Er berichtet von seinen eigenen Erfahrungen. Dies macht er zwar in einer – wie angekündigt – satirischen, aber durchaus feinen, ja schon fast liebenswürdigen Art und Weise, so dass man ihm keineswegs böse ist. Er holt nie den verbalen Zweihänder hervor und bleibt – fast – immer jugendfrei. Klischees werden kaum oder sonst dann – natürlich wieder – äusserst charmant bedient. Aber so die ganz «reine Seele» hat auch Formanek nicht. Denn er gesteht, dass ein Comedian für einen guten Gag durchaus eine Freundschaft riskiere.

Frauen kommunizieren anders …

Er, der im ganzen deutschsprachigen Raum inklusive Kreuzfahrtschiffe auftritt, ist seit einem Vierteljahrhundert verheiratet. Während eines schönen Teils des Abends sind denn auch die Kommunikationsfallen innerhalb seiner Ehe das Thema. Frauen geben bekanntlich nie Anweisungen. Das wissen wir Männer ganz genau. Frauen stellen Fragen. Fragen, die es in sich haben und eigentlich keine Fragen, sondern eben Anweisungen sind. Das weiss Niko Formanek zur Genüge und karikiert dies aufs Vortrefflichste. Und trotzdem möchte der «fürsorgliche, gut aussehende, sportliche, charmante und liebenswürdige Macho-Mann» – Eigenwerbung Formanek – im Grunde genommen ein echter Frauenversteher sein.

… Männer auch

Dass Männer und Frauen sich nicht immer gleich auf Anhieb verstehen, ist laut Formanek der Evolution geschuldet. Denn das weibliche Geschlecht sei dem starken Geschlecht evolutionsmässig Lichtjahre voraus. Vor allem was die Kommunikation anbelangt. Obwohl Männer fälschlicherweise denken würden, dass sie das intelligentere Geschlecht seien. Dabei ähnelten Männer Fischen, wenn sie sich verbal ausdrücken sollten. Den Beweis blieb Formanek nicht schuldig: «Warum habt ihr Männer geheiratet?», fragte er in die Runde. Betretenes Schweigen war eine durchaus beeindruckende Antwort.

Dabei machte der Wiener aber noch andere Kampffelder aus. Die Auseinandersetzung mit Teenagern im gleichen Haus etwa. Den neuen Freund der halb erwachsenen Tochter oder das Schweigen des Baggy-Pants tragenden Skatersohns etwa. Aber auch die Schilderungen der Begegnungen mit den Hütern des Gesetzes waren äusserst vergnüglich. Alles in allem war es ein Abend, an dem man hinzugelernt hat, dass der Alltag eigentlich viel amüsanter ist als man sich das selber oft eingesteht.

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