«Viele denken, wir sind Spielzeugbuben»

02.05.2019, kul
Der Modelleisenbahnklub Schenkon feiert am Wochenende sein 25-Jahr-Jubiläum. Präsident Erwin Gugger erzählt von der Leidenschaft für den Modellbau und vom Zusammenhalt des Vereins.

Kühe grasen auf saftigen Wiesen, im Wald pirscht eine Rehfamilie durchs Dickicht, in der Nähe endet ein Fluss in einem tosenden Wasserfall. Abseits der Szenerie führen Gleise in das nächst gelegene Dorf. In den Räumen des Modelleisenbahnklubs Schenkon (Meks) erstreckt sich eine bis ins Detail geplante Miniaturwelt. Vom Jäger der einen Picknicker mit der Schrotflinte auf dem Plumpsklo überrascht, bis hin zu den Erntehelfern, die auf dem Rebberg Trauben lesen.

 

Ein neues Zuhause gefunden

Acht Jahre sind es her, seit die ehemaligen Räumlichkeiten des Meks am Surseer Vierherrenplatz 2 einem Neubau weichen mussten. Der anfängliche Schock schmälerte den Willen des Vereins nicht, nach einem neuen Standort zu suchen. Im Zellgut 5 in Schenkon wurde der Meks schliesslich fündig. Ein Jahr lang bauten die Mitglieder den einstigen Weinkeller und Degustationsraum zu einem Klublokal um. «Wir sind mehr als zufrieden», so Erwin Gugger, Präsident des Meks. Auf 120 Quadratmetern bauen die 50 Mitglieder – darunter 16 Aktivmitglieder – an den zwei Anlagen.

Die H0-Anlage stammt in Teilen noch aus der Zeit in Sursee. Zum Jubiläum habe man die Verdrahtung der Dreileiter-Digitalanlage erneuert, damit die Züge sauber fahren. «Meksdorf» heisst der Nebenbahnhof der Anlage. Sie verfügt über Rebberge, Gasthöfe, endlose Wälder und mehrstöckige Gleiswendel.

 

 

Eine Familie, die sich versteht

Die Leidenschaft für den Modelleisenbahnbau entflammte bei vielen Mitgliedern im Kindesalter. «Man wird damit geboren», sagt Gugger. Sein Vater arbeitete als Stationsbeamter bei der Bahn, das habe sein Interesse an Zügen früh geweckt. Bereits mit drei Jahren bastelte er an der ersten Anlage. Bei anderen Mitgliedern steht wiederum der familiäre Zusammenhalt im Vordergrund. So auch für Francesca Fries-Spagnol, Aktuarin des Meks. «Bei uns gibt es diesen Kitt. Wir halten einfach zusammen», sagt sie. Selber arbeite sie am liebsten an den Modulen. Sie baut Häuser zusammen, gibt den Tieren Farbe, lässt praktisch aus dem Nichts Bäume, Moos und Gras wachsen. Der Gestaltung der Anlage sind keine Grenzen gesetzt. «Es hat etwas Entspannendes. Wie beim Puzzeln.» Erwin Gugger bestätigt Francescas Worte: «Wir sind wie eine grosse Familie. Aber eine, die sich gut versteht.»

Das Hobby macht an den Türen des Klublokals nicht Halt. Einige der Mitglieder arbeiten zuhause an eigenen Anlagen im kleineren Format. Erwin Gugger bastelt zurzeit an seiner 15. Anlage. Er reproduziert die Albulalinie der Rhätischen Bahn. Der Bahnhof Pontresina steht bereits, es folgen die Bahnhöfe Filisur und Surava. «Immer wieder sage ich mir: Das ist die Letzte.» Geklappt habe das bisher noch nicht. Auf die Frage, wann die beiden Anlagen des Meks fertig würden, sagt Gugger schlicht: «Die werden nie fertig.» Die Modelleisenbahnen gäben immer wieder zu tun.

 

 

 

 

Mehr als nur «Isebähnle»

Wer Mitglied im Meks wird, lernt schnell, wie mit Metall, Holz, Kunststoff und Strom umgegangen wird. Neue Züge müssen auf dem Digitalsystem programmiert, Weichenmotoren bei Bedarf ausgetauscht werden. «Wer denkt, das ist bloss ein bisschen ‘Isebähnle’, täuscht sich. Es steckt mehr dahinter», so Gugger. Modelleisenbahnen würden oftmals mit Spielzeugeisenbahnen verwechselt. Erwin Guuger nimmt es mit Humor. «Viele Leute denken, wir sind Spielzeugbuben. Das sind wir vielleicht einmal gewesen. Doch heute läuft es professioneller.»

Zum 25-Jahr-Jubiläum veranstaltet der Meks einen Tag der offenen Tür. Vom 3.–5. Mai können Besucher die beiden Anlagen des Vereins begutachten und die Züge fahren sehen. Im Solitaire & Grotto ist für Speis und Trank gesorgt. Für die jüngeren Gäste gibt es eine Garten-Dampfbahn zum Mitfahren und Outdoor-Spielgeräte. An der Börse können Einzelteile von Modelleisenbahnanlagen erworben werden.    Livia Kurmann 

Tage der offenen Tür: 3. Mai, 16–20 Uhr, 4. Mai, 10–17 Uhr und 5. Mai, 10–16 Uhr im Zellgut 5, Schenkon. Der Eintritt ist frei.