«Bier brauen alleine reicht heute nicht»

31.12.2018, fz
Andy Stöckli ist der umtriebige Geschäftsführer der Braustation Sursee und setzt auf mehr als nur Geschmackserlebnisse. Gehe es um Wirtschaftlichkeit, sei es mit dem Bierbrauen alleine nicht gemacht, sagt er. Die Kleinbrauerei buhlt deshalb auch mit trendigen Events um die Gunst ihrer Kunden.

Die Erfolgsgeschichte der Braustation Sursee nahm ihren Lauf im Frühling 2015 auf dem Beckenhof, einem der letzten Bauernhöfe in der Surenstadt. «‘Craft Beer’ war in aller Munde, und so kamen wir auf die Idee, für unseren Kollegenkreis Bier zu brauen, das nicht ‘ab der Stange’ ist», erklärt Andy Stöckli, Geschäftsführer und Gründungsmitglied der Braustation Sursee.

Bereits im Sommer desselben Jahres lancierte Stöckli zusammen mit Marcel Bannwart, Stefan Lauber, Fritz Lang und Andy Kottmann die ersten beiden Biere, das «6210 Mild Ale» und das «Hoppy End». Und dies bald schon mit grossem Erfolg weit über den Kollegenkreis hinaus. Das lokale Gastgewerbe kam nämlich ebenfalls auf den Geschmack und sorgte dafür, dass die hopfigen Eigenkreationen unter die Leute kamen.

«Auf einmal war die Nachfrage so gross, dass die manuelle Produktion in herkömmlichen Kochtöpfen die Kapazitätsgrenzen sprengte», erinnert sich Stöckli. «Der Kauf einer professionellen Brauanlage und der Umzug in eine grössere Lokalität lagen deshalb auf der Hand.»


Bierbrauen selber beigebracht
Fündig wurden die «Craft Rebels» an der Merkurstrasse 20 in Sursee, wo sie im Oktober 2015 auf rund 450 Quadratmetern die notwendigen Umbaumassnahmen trafen, um möglichst rasch ein modernes, fünf Hektoliter fassendes Sudhaus mit Lagerkapazitäten von 130 Hektolitern in Betrieb nehmen zu können.

Bereits Ende November wurde zum ersten Mal in der neuen Lokalität Craft Beer gebraut. Die unmittelbare Nähe zum Bahngleis gab dem Jungunternehmen auch gleich den Namen: Die «Braustation Sursee» war geboren.


Damals habe er komplettes Neuland betreten, sagt Andy Stöckli. Als Autodidakt sei er richtiggehend zum Bücherwurm in Sachen Bierbrauen geworden und habe sich vertieft in dieses Handwerk eingelesen. Zudem habe er auf die Unterstützung von Richard Leder zählen können, einem bekannten Fachmann auf dem Gebiet des Bierbrauens. «Dieser ist uns quasi als Mentor bei der praktischen Umsetzung mit Rat und Tat zur Seite gestanden.»


Events als eine weitere Zutat
Mittlerweile sind drei Jahre ins Land gezogen, und die Braustation Sursee ist heute längst nicht nur für ihre hopfigen Kreationen bekannt. Innert kurzer Zeit hat sich die Kleinbrauerei als gefragter Veranstalter von Events über die Region hinaus einen Namen gemacht. «Bier zu brauen alleine reicht heute nicht», bringt Andy Stöckli den wirtschaftlichen Aspekt auf den Punkt.

«Der Herstellungsprozess ist sehr zeitaufwendig, die Margen werden immer kleiner.» Dies verlange nach neuen, kreativen Ideen. Unter dem Dach der Braustation werden deshalb nicht nur Biere gebraut, sondern auch Events veranstaltet. So ist das Industriegebäude an der Merkurstrasse inzwischen zu einem beliebten Treffpunkt für Partys, Konzerte und sogar Tattoo-Conventions geworden.

Zudem werden regelmässig Führungen durch die Brauerei sowie kleinere und grössere Geschäfts- und Privatanlässe durchgeführt.


Und auch ausserhalb der Mauern der Braustation sind die «Craft Rebels» äusserst aktiv: 2018 etwa lockten sie mit dem Public Viewing zur Fussballweltmeisterschaft auf dem Martigny-Platz oder dem «Bier am See» beim Mariazell in Sursee Tausende von Besuchern an ihre Events. Viel Aufmerksamkeit zieht die Braustation regelmässig auch aufgrund ihrer Freundschaft zur bekannten US-amerikanischen Hip-Hop-Band Delinquent Habits auf sich.


«Wollen authentisch bleiben»
«Be Part of the Family» – eine Stärke der Braustation ist das Marketing. Angefangen beim unverkennbaren Logo mit den gekreuzten Braupaddel bis hin zur erfolgreichen Vermarktung ihrer Produkte und Events. Hier profitiert die Braustation nicht zuletzt auch von der Erfahrung ihres Geschäftsführers.

Denn im Gegensatz zur Braukunst war es beim Marketing alles andere als Neuland, das Stöckli vor drei Jahren betrat. So arbeitete er zuvor mehrere Jahre als Projektleiter im Messebau und als Marketing-Manager für Intercycle. Diese erfahrungsreiche Zeit habe ihn sehr geprägt, sagt der gebürtige Notteler.


Das andere sei die Freude an der Organisation von Events. Er wolle den Leuten stets etwas Aussergewöhnliches bieten. Und dies sei die grosse Herausforderung: «Wir müssen kreativ bleiben und spüren, was die Leute mögen – bei den Produkten wie bei den Events.» Dies bedeute aber nicht, dass man sich selbst untreu werde müsse: «Letztlich wollen wir authentisch bleiben und nur das machen, wo wir dahinter stehen können.»

Und dazu gehöre auch, dass man am namensgebenden Standort beim Bahnhof Sursee festhalte. «Doch bei 200’000 Litern pro Jahr ist Ende Feuer», lässt Stöckli durchblicken.


Auf Braustation-Familie zählen
Der umtriebige Geschäftsführer der Braustation ist bei fast allen Anlässen an vorderster Front im Einsatz. Wenn die Gäste zu später Stunde in Partylaune aufgehen, schauen Stöckli und sein Team, dass im Hintergrund alles reibungslos läuft. Er sei denn auch froh, dass er auf zahlreiche freie Mitarbeiter  zählen könne.

«Ohne die Unterstützung dieser grossen Familie wären wir heute nicht da, wo wir sind», ist Stöckli überzeugt.


Da das Engagement für die Braustation ihn zeitlich stark beanspruche, habe er bei seinen Hobbys Abstriche machen müssen, sagt der 37-Jährige, der sich selbst als risikofreudigen Menschen bezeichnet: «Motocross, Downhill und Freeride-Snowboarden zählen nicht gerade zu den ungefährlichsten Sportarten, und heute kann ich mir schlichtweg keine Verletzungen mehr erlauben.»


Etwas Ruhe gönnte sich Andy Stöckli heuer über die Festtage. Zusammen mit seiner Frau Stephanie, die er im Herbst dieses Jahres heiratete, ging es ab in die Berge zum Energie tanken. Doch die ruhigen Tage enden bereits vor dem neuen Jahr, denn am 31. Dezember steht schon die nächste Party an: Dann laden die «Craft Rebels» einmal mehr zum Tag des offenen Zapfhahns in die Braustation ein.Fabian Zumbühl