Bike faucht von 0 auf 100 in 600 Stunden

08.03.2019, ma
In ihrem ersten Geschäftsjahr haben Sandro Arnold (39) und Lukas Hodel (22) von «Vintage Custom» das geschafft, wovon andere Custom-Bike-Werkstätten jahrzehntelang träumen: Ein prestigeträchtiger Sieg an der Swissmoto 2019.

Feuerrot, leicht goldig schimmernd steht sie da. Eine 74 auf dem Öltank verrät den Jahrgang der Harley Davidson Shovelhead, die den Rahmen für das Custom Bike hergab. Ein Totenkopf-Indianer thront stolz auf dem putzierten Rindsledersattel, eine pechschwarze Boss Springergabel umgarnt das 16 Zoll grosse Rad. Handgefräste Fussraster und Griffe sowie selbst angefertigte Messingschrauben zeugen von der Liebe zum Detail, die Sandro Arnold und Lukas Hodel von «Vintage Custom» während ihrer 600-stündigen Arbeit walten liessen.

Sieg in der Königsklasse
Dass die Beiden in ihrer Werkstatt in Ruswil etwas ganz Besonderes erschaffen haben, ist auch der Fachwelt nicht entgangen. An der Swissmoto 2019 schnappte sich das Custom Bike den Gesamtsieg in der Kategorie Oldschool/Classic. «Das ist in etwa so, wie wenn der FC Sursee die Champions League gewinnen würde», ordnet Sandro Arnold das Ergebnis ein.

Scheunenfund mit Folgen
Die Geschichte des Siegerbikes beginnt 2015, als bei einer Räumung in der hintersten Ecke einer Scheune eine verrostete Harley Davidson zum Vorschein kommt. Sandro Arnold, Mitinhaber des Bodyrock in Sursee, nimmt sich dem Bike an. Der erste Versuch, der Rostlaube neues Leben einzuhauchen, scheitert vor drei Jahren. Als Lukas Hodel vom Vintage Workshop in Ruswil und Sandro Arnold vor einem Jahr gemeinsam die Firma «Vintage Custom» gründen, nimmt das Projekt mit der Harley Shovelhead erneut Fahrt auf. «Ursprünglich war sie als Showbike für das Bodyrock konzipiert», erinnert sich Sandro Arnold. An der Swissmoto 2018 heimst das Bike am Stand so viel Lob ein, dass bald eine Einladung für die Custombike-Show in Bad Salzuflen folgt, der weltgrössten Messe für umgebaute Motorräder. Getragen vom Erfolg melden die beiden den Feuerstuhl für die Swissmoto 2019 an, wo sich das Bike vor zwei Wochen gegen 500 Projekte aus dem In- und Ausland durchzusetzen vermochte.

Der Denker und der Praktiker
Die schlichte Eleganz und die Detailverliebtheit überzeugten die Jury. Zudem glänzt das Bike mit in Handarbeit gefertigten Messingschrauben und einer Boss Springergabel, für die es noch an keiner 74er-Harley eine Zulassung gab. «Für mich persönlich sind die Messingteile und die Farbe die Highlights», erklärt Lukas Hodel. Er ist beim auf Harley Davidson spezialisierten «Vintage Custom» für die praktische Umsetzung zuständig. Sandro Arnold spielt seine Stärken bei der Projektierung und dem Einkauf aus. «Wir sind zwei Menschen, die zwar nicht immer dieselben Ansichten, aber dennoch die gleichen Visionen haben», pflegt Sandro Arnold zu sagen.

Siegerbike sucht Besitzer
«Vintage Custom» baut ausschliesslich Bikes, die es auf die Strasse loslässt. So soll auch das Siegerbike nach erfolgreichem MFK dereinst die grosse weite Welt entdecken. Doch Schönheit hat ihren Preis. 45’800 Franken im Fall der prämierten Harley. Das Bike zu behalten, kommt für Sandro Arnold nicht in Frage. «Ich baue seit meinem 20. Lebensjahr Custom Bikes. Bei den ersten war es schwierig, sie aus den Händen zu geben, mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt», sagt er – und schiebt nach: «In diesem Fall schmerzt es mich aber doch ein wenig, weil das Bike die emotionale Krönung unseres ersten Geschäftsjahres ist.»
Und was bleibt den Beiden, wenn das Bike eines Tages weg ist? Von den Veranstaltern von Swissmoto gab es ein Sackmesser und ein paar Schulterklopfer, von der Motorradszene grosse Anerkennung für den prestigeträchtigen Erfolg. Für Sandro Arnold und Lukas Hodel brachte ihr Sieg die Gewissheit, dass sie mit ihren Visionen Bikes bauen, die Laien und Experten weit über die Grenzen von Sursee und Ruswil zu begeistern wissen.