Die älteste Surseerin hat ihren Stammplatz

13.05.2019, DZ
Am Montag konnte die älteste Surseerin Gritli Schwegler auf ein volles Jahrhundert zurückblicken. Verwandte, Freunde, das Kader des Alterszentrums St. Martin und eine Delegation des Stadtrats gratulierten – und sangen das «Margritli-Lied».

Gritli Schwegler habe schon seit Wochen von diesem grossen Tag, ihrem 100. Wiegenfest, gesprochen, liess der Leiter des Alterszentrums St. Martin, Urs Arnold, durchblicken, als er die Geburtstagsgäste zum Apéro begrüsste. Das Geburtstagskind sass auf einem bequemen Sessel mitten im Raum «Eiche», gleich neben sich den Rollator parkiert. Von diesem Gefährt habe wohl die eine oder andere Ecke im Alterszentrum eine Delle abbekommen, spasste Gritli Schweglers Sohn Bruno: «Das ist aber nicht so schlimm, denn ich liess mir sagen, dass es bald ein neues Alterszentrum gibt.»

Auf Herrenvestons spezialisiert

Derweil wurden laufend Bilder aus dem Leben Gritli Schweglers an die Leinwand projiziert: Ihr Elternhaus «Bleiche» in Willisau Stadt, ein Klassenfoto, Bilder der Erstkommunion 1928, aus der Zeit der Lehre 1936 und von der Hochzeit 1954. Die Geburtstagsgäste erfuhren auch, dass die gelernte Damenschneiderin auf die Herrenmode umsattelte und viele Jahre im Surseer Modegeschäft Heimann auf Herrenvestons spezialisiert war. Für Aufsehen sorgte die Reminiszenz, dass die Jubilarin in jungen Jahren in den Militärischen Frauendienst, damals noch Frauenhilfsdienst genannt, eingezogen wurde. Für die Anwesenden Grund genug, nicht nur das von Drehorgelklängen begleitete «Happy Birthday» anzustimmen, sondern auch das unverwüstliche «Margritli-Lied» aus dem Film «S'Margritli und d'Soldate». Dieses Lied hatte Bruno Schwegler für seine Mutter übrigens auch auf der Musikwelle von Radio SRF gewünscht.

Bis 99 in der Wohnung

Dass die Jubilarin 1957 nach Sursee zog – in jener Zeit, als die Surenstadt das grösste Wachstum verzeichnete –, verriet Sozialvorsteherin Jolanda Achermann. 2007 bezog Gritli Schwegler eine Alterswohnung im Zentrum St. Martin und wohnte darin bis zu ihrem 99. Lebensjahr. Vor gut einem Jahr trat sie ins Pflegeheim ein. Seit etwa fünf Jahren hat sie in der Sitzgruppe im Eingangsbereich ihren Stammplatz, was sich gemäss Urs Arnold «inzwischen gut eingebürgert» habe. Dieser Sessel war zur Feier des Tages speziell dekoriert worden. «Und er bleibt auch weiterhin für die älteste Surseerin reserviert», so Arnold.

«Alt werden ist nicht immer lustig»

«Den 100. Geburtstag zu erleben, ist keine Selbstverständlichkeit», brachte Bruno Schwegler die Bedeutung dieses Freudentags auf den Punkt. Und alt werden sei keineswegs immer lustig, ergänzte er mit Blick auf die «Gebresten» seiner Mutter. Doch im Wesentlichen gehe es ihr gut, was zu einem grossen Teil das Verdienst des Teams vom 2. Stock und aller guten Seelen im Alterszentrum St. Martin sei. Ihnen allen gebühre denn auch ein grosser Dank.