«Man kann nie genug lachen!»

18.07.2018, DZ
Lorenz Keiser ist eines der Highlights an den heurigen Soorser Comedy Täg im Oktober. Im Interview gibt er Hintergründe zu seinem neuen Programm «Matterhorn Mojito» preis. So verrät er etwa, welchen Einfluss Massimo Rocchi als Regisseur hatte.

Lorenz Keiser, Sie stehen als Kabarettist seit bald 30 Jahren auf der Bühne. Was hat sich in dieser Zeit verändert?
Man ist versucht, zu sagen: Nichts! Denn die Welt verändert sich ja nicht. Äusserlich natürlich schon, aber im Kern nicht, weil sich die Menschen nicht ändern. Und doch denkt jeder einzelne für sich: Ich bin älter geworden, ich habe mich verändert. Das beschäftigt auch mich, und dann stelle ich mir bald einmal die Frage: Bin ich immer noch gleich frech? Sind die Witze immer noch gleich gut? In «Matterhorn Mojito» gibt es einen Moment, wo ich diese Frage auf der Bühne formuliere und die Antwort an einem Beispiel vorführe. Als ich jung war, habe ich das so gesagt. Und heute sage ich es so. Es sind zweimal genau die gleichen Worte, aber auf eine andere Art ausgesprochen.

Ist es schwieriger geworden? Schliesslich gibt es in der Schweiz bald mehr Comedians und Kabarettisten als Löcher im Emmentaler. Und auch die deutsche Konkurrenz mischt den Schweizer Markt fleissig auf …
Wir haben in der Schweiz ein extrem dichtes, äusserst aktives Kleinkunst-Bühnennetz. Wir haben ein sehr grosses und interessiertes Publikum. Die Schweiz zahlt dopplet bis dreifach so hohe Gagen wie Deutschland oder Österreich. Logisch, dass das immer mehr Kabarettisten produziert, und dass die guten aus den Nachbarländern auch hierherkommen. Das muss man positiv anschauen!

An den Soorser Comedy Täg spielen Sie im Oktober ihr neues Programm «Matterhorn Mojito». Ist dieser schweiz-exotische Name Programm?
Absolut. Die Schweiz ist seit mehr als 500 Jahren ein Schmelztiegel verschiedenster kultureller Einflüsse. Wir haben zwar häufig das Gefühl, wir hättens erfunden, aber in Wirklichkeit kommen unsere Älpler-Makronen aus Süditalien, unser Tilsiter aus Russland und unsere Uhrmacherkunst aus Frankreich. Gut, es bleiben noch die Schokolade und die Ovomaltine. Die kommen aus Zentralamerika und wurden hier von eingewanderten Deutschen gross gemacht.

In «Matterhorn Mojito» thematisieren sie neben Nail-Art und Lactose-Intoleranz auch die Immigration und Integration. Sind dies Themen, die Sie auch privat beschäftigen?
Ich denke, es sind die Themen, die uns alle umtreiben. Da es dabei aber um ziemlich grosse und komplexe Fragen geht, versuche ich, das alles auf unseren Alltag herunterzubrechen. «Matterhorn Mojito» ist die Geschichte eines Paars, das ein paar Freunde zum Essen eingeladen hat. Aber was soll man kochen? Einer ist Vegetarier, die andere hat Lactose-Intoleranz, ein dritter isst nur glutenfrei, ein vierter leidet an Lebensmittel-Allergien … Nicht einfacher wird die Sache dadurch, dass die Frau des Paars beschlossen hat, einen Flüchtling aufzunehmen. Am Ende klingeln alle zur gleichen Zeit …

Künstler werden wie Journalisten vom Volk politisch oft ganz links abgestempelt. Und tatsächlich: Mir ist aufgefallen, dass es in vielen Comedy-Programmen die SVP ist, die ihr Fett weg bekommt. Zielen auch Sie bei ihren Pointen ausschliesslich nach rechts?
Bei mir gehen die Pointen definitiv in alle Richtungen. Auch in solche, die das Publikum vielleicht nicht unbedingt erwartet. Die Regel ist einfach: Wenn einer Mist erzählt, kriegt er eins auf den Hinterkopf! Wenn die SVP nun natürlich von allen am meisten Mist erzählt, kann ich ja dann auch nichts dafür.

Mit ihren Pointen wollen Sie beim Publikum nicht nur die Lachmuskeln anregen, sondern auch die Hirnwindungen aktivieren. Gelingt dies bei Leuten, die wohl einfach einen lustigen und unterhaltsamen Abend geniessen wollen, wenn sie in einer Kabarettvorstellung Platz nehmen?
Ich bin Humorist. Also einer, der das Weltgeschehen und die Geschichten des Lebens von der komischen Seite her betrachtet. Dabei interessieren mich persönlich die Themen, in denen es auch tatsächlich um etwas geht. Themen, die uns Menschen betreffen und auch beschäftigen. Wer einfach einen unterhaltsamen Abend will, wird sich bei mir ohne Zweifel bestens amüsieren. Dass er oder sie dabei auch noch ganz automatisch ein paar Hirnwindungen aktiviert, passiert dann quasi nebenbei. Fällt gar nicht gross auf.

Bei «Matterhorn Mojito» haben Sie mit ihrem langjährigen Freund und Kabarett-Kollegen Massimo Rocchi als Regisseur zusammengearbeitet. Wie hat diese Zusammenarbeit funktioniert?
Ich habe bei all meinen Programmen immer mit Regisseuren gearbeitet. Und zwar stets mit solchen, die selber auch auf der Bühne stehen. Ich suche nie einen Regisseur, der mein Stück interpretiert, wie man das etwa beim Theater macht. Ich will jemand an meiner Seite, der das Gefühl kennt, zwei Stunden alleine auf der Bühne zu stehen und das dramaturgisch auch umzusetzen weiss. Dieses Mal hatte ich das Glück, mit Massimo Rocchi arbeiten zu dürfen. Und es hat grossen Spass gemacht. Wie ich glaube, nicht nur mir, sondern auch Massimo. Wir hatten es extrem lustig miteinander!

Welchen Einfluss auf das Programm hat er als Regisseur genommen?
Ihn habe ich angefragt, weil er aus einer ganz anderen Komik-Ecke kommt als ich. Das Körperliche ist bei ihm beispielsweise zentral, anders als bei mir. Aus diesen Unterschieden ist viel Neues entstanden. Ich konnte ex­trem profitieren.

Kam es oft vor, dass Sie nicht gleicher Meinung gewesen sind?
Nein, das kam selten vor. Wenn es aber so war, dann ging es jedes Mal um etwas Grundlegendes und Wichtiges.

Und wer hat sich am Ende durchgesetzt?
Das Tolle an einer guten Zusammenarbeit ist eben, dass sich nicht einer der beiden durchsetzt, sondern aus der Meinungsverschiedenheit am Ende etwas entsteht, das noch besser ist, als es die Version jedes einzelnen war.

So, nun haben wir noch Platz für einen Werbespot. Warum soll das verwöhnte Publikum der Soorser Comedy Täg ausgerechnet Tickets für Ihr Programm kaufen?
Das Publikum soll nicht ausgerechnet für meine Vorstellung Tickets kaufen. Viel besser kauft es für jede einzelne Vorstellung Tickets. Man kann nie genug lachen!

Christian Berner