«Niemand steht bei den Donatoren im Abseits»

02.05.2019, red
Der Donatorenclub des FC Sursee feiert am 9. Mai 40 Jahre. Paul Furrer engagierte sich bereits ein Jahr nach dem Eintritt in den Verein im Vorstand. Der Präsident schätzt den Geist des Clubs, freut sich über das Wachstum bei den Mitgliedern und möchte weiterhin ein offenes Ohr für die Mitglieder haben.

Paul Furrer, der Donatorenclub des FC Sursee hat über 160 Mitglieder und feiert 40 Jahre. Was macht den Erfolg aus?
Bei uns wird jeder freundlich aufgenommen, und die Mitglieder gehen aufeinander zu. Niemand steht bei den Donatoren des FC Sursee im Abseits.

Wie schaffen die Donatoren das?
Irgendwie ist ein Geist da. Bei uns 
wissen die Leute, dass das Geld für einen guten Zweck eingesetzt wird, und wir haben es immer sehr gut miteinander.

War das schon immer so?
Ja. Seit der Gründung 1979 konnten wir diesen Geist halten. Die Herzlichkeit und die Freundlichkeit beschrieb der erste Präsident, Willy Frommenwiler, anlässlich der 10-Jahr-Feier 1989 so:  «Wir dürfen heute festhalten, dass wir clubintern ein äuserst kollegiales Verhältnis haben, getragen von Toleranz, gegenseitiger Achtung und Wertschätzung.»  Das haben wir beibehalten können.

Sind alle Mitglieder fussballinteressiert?
Nein, nicht nur, aber unsere Anlässe sind zum grössten Teil kostenlos, gut organisiert und haben Niveau. Das wird geschätzt. Weiter werben Mitglieder neue Mitglieder an. Das macht auch den Geist aus.

Wie sind Sie zum Donatorenclub gekommen?
Ich wurde vom damaligen Präsidenten Patrick Ineichen anlässlich einer Austellung bei der Gärtnerei Pflugshaupt angefragt. Ehrlicherweise kannte ich den Verein damals nicht. Fussballfan war ich aber immer. Ich sagte ihm aus Anstand zu und fühlte mich sofort aufgenommen.


Wann sind Sie in den Vorstand gekommen?
Ein Jahr später fragte mich Daniel Oberson an, ob ich in den Vorstand als Programmchef komme. Ich war überzeugt, dass das eine gute Sache und der Club ein guter Verein ist. Ich sagte ihm zu und blieb zwölf Jahre in diesem Amt.

Warum so lange?
Es lohnt sich. Ich bekam immer Dank, und die Arbeit wurde geschätzt. Man merkte auch, dass das Netzwerk funktioniert, was nicht verboten ist. «Von Donatoren für Donatoren», heisst das Motto. Wir sind jedoch kein Serviceclub, aber schauen zueinander. Der Vorstand lebt das vor. Wenn wir unsere Anlässe organisieren, berücksichtigen wir unsere Mitglieder.

Wie hat sich der Club seit Ihrem Eintritt geändert?
Es hat sich bestimmt viel geändert, der Geist blieb aber im Grunde sehr ähnlich.

Und konkreter?
Am Anfang versendeten wir die Einladungen per Brief, führten aber bald die Korrespondenz per E-Mai ein. Dann stiessen wir eine neue Homepage an. Den Clubnamen änderten wir, da der «Club Donnerstag-Stamm» etwas Falsches suggerierte und einschränkte. Der Name Donatorenclub FC Sursee gab dem Verein hingegen ein Gesicht und zeigt, für was wir einstehen, und für was wir da sind. Mit dem Namenwechsel hat das Wachstum Fahrt aufgenommen.

Das Gerüst der Anlässe blieb 40 Jahre beinahe gleich.
Ja, das soll auch so sein. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Es gibt fixe Anlässe im Verlauf eines Jahres, um sich wiederzusehen.

Stand früher der Fussball mehr im Zentrum?
Der Donatorenclub fokussierte früher schon mehr auf Sport allgemein. Diese Entwicklung steuerten wir nicht, aber entspricht vielleicht dem Zeitgeist. Wahrscheinlich wäre der Club heute aber weniger erfolgreich, weil man gar nicht so viele Sportfreunde finden würde. Ich versuche aber an jedem Anlass, den FC Sursee anzuschneiden und zu sagen, für was wir einstehen.

Wie ist das Verhältnis zum FC Sursee?
Gut. Von unseren Mitgliedern ist zwar nur ein harter Kern von 30 Leuten regelmässig im Stadion Schlottermilch anzutreffen. Andere finden es weniger interessant. Von Vorstand zu Vorstand ist das Verhältnis entspannt. Wir versuchen unsere Generalversammlungen gegenseitig zu besuchen.

Ist Ihnen ein besonderes Ereignis in Erinnerung geblieben?
Herausragend waren sicherlich die diversen Cupfinals, die wir besuchten, wenn der FCL im Final stand. Auch in diesem Jahr bestellten wir vorsorglich 50 Billette und wären wieder nach Bern gefahren. Auch an das Cupspiel von Sursee gegen Sion auf der Schlottermilch erinnere ich mich. Dätwyler schoss das 1:0. Präsident Christian Constantin schob in der Pause eine Krisensitzung, weil sein FC Sion hinten lag. Schliesslich besuchte er nach dem Spiel friedlich das Stadionrestaurant und ass eine weisse Wurst. Er zeigte sich sehr volksnah.

Gibt es andere Anlässe, die herausstechen?
An die Chlaushöcks kommen jedes Mal 140 Leute und bleiben lange. Die Aufbruchstimmung findet jeweils immer nach Mitternacht statt. Das beweist, dass sich die Mitglieder wohl fühlen.

Warum feiert der Donatorenclub seine 40 Jahre?
Die runden Geburtstage darf man feiern, auch um die Geschichte bewusst zu machen, denn selbstverständlich ist gar nichts. Jeder ist freiwillig bei uns und zahlt einen schönen Obolus. Deshalb ist unsere Feier auch ein zusätzliches Dankeschön an unsere Mitglieder. Eine 40. GV ist zudem ein gutes Instrument, um Eigenwerbung zu betreiben. Schön ist auch, dass wir einige Gründungsmitglieder bei uns dabeihaben.

Welche Rolle spielen diese Gründungsmitglieder noch?
Sie kommen sehr gerne und erzählen Geschichten von früher. Solche Geschichten helfen uns, den Club zu erhalten nach dem Motto: «Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.» Solche Anekdoten stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Auch Private – und nicht nur Firmen – können Mitglied werden. Warum?
Sehr viele Mitglieder, die ihre Geschäftstätigkeit auf- oder weitergegeben haben, fragten an, ob sie bei uns als Privatperson bleiben dürfen. Weil es bei uns nur einen Status bei den Mitgliedern gibt, freuen wir uns auf viele private Mitglieder.  Sie beweisen, dass die Leute nicht wegen des Business bei uns sind, sondern weil sie es schön haben.
Können Sie ein Beispiel geben?
Der frühere Regionalleiter der Luzerner Kantonalbank in Sursee, Philipp Vogel, blieb unserem Club nach seiner Pensionierung treu. Er sagt immer wieder, dass der Donatorenclub einer der ersten war, dank dem er in Sursee Fuss fasste. Er kam damals vom Entlebuch, lernte bei uns sehr viele Leute kennen und sei bestens aufgenommen worden.

Gibt es Voraussetzungen, um Mitglied werden zu können?
Nein, alle müssen aber in Recht und Ehren stehen und den Jahresbeitrag zahlen können.

Welchen Aufwand investieren Sie als Präsident?
Je besser der Vorstand arbeitet, desto weniger hat der Präsident zu tun. Freiwilligenarbeit ist leider heute nicht mehr in. Doch ein solches Amt gibt einem sehr viel zurück und verschafft einem in der Gesellschaft einen gewissen Respekt. Für mich ist der Aufwand machbar. Wichtig ist es, jederzeit ein offenes Ohr zu haben.

Was wünschen Sie dem Donatorenclub für die nächsten 40 Jahre?
Schön wäre es, wenn es den Donatorenclub 2059 noch gibt. Ich wünsche mir für den Club, dass er die Grösse behalten kann. Wir haben eine Grösse, auf die wir sehr stolz sein können. Weiter hoffe ich, dass wir immer genügend Leute für den Vorstand finden, was übrigens noch nie ein Problem war, und dass der Geist weiterhin erhalten bleibt.

Und bezüglich des FC Sursee?
Mittelfristig sollte er wieder in der 1. Liga spielen. Wir müssen aber realistisch bleiben wegen der finanziellen Mittel. Ich hoffe, dass wir Donatoren dabei nach Möglichkeit die gleiche oder noch etwas grössere Rollen spielen können. Weiter wünsche ich mir für den FC Sursee, wie für alle anderen Vereine, dass sie immer genügend Leute für die Vorstände finden. Ein Amt in einem Vorstand ist nicht nur Bürde, sondern auch Würde. Dieses Umdenken in der Gesellschaft wünsche ich mir sehr. Wenn wir das nicht schaffen, wird das Vereinsleben schwierig.

 

Die 40. GV ist im Granolissimo

Sursee Die 40. Generalversammlung des Donatorenclubs des FC Sursee findet am Donnerstag, 9. Mai, statt. Im Granolissimo beginnt der Apéro um 18 Uhr, die offizielle GV dann um 18.45 Uhr. Speziell ist, dass unter Traktandum 3 Gründungsmitglied Karl Hoppler Grussworte überbringt. Die Mitglieder befinden auch über den Antrag, dem FC Sursee einen Jubiläumsbeitrag für die Hundertjahrfeier 2020 zu sprechen. Nah dem offiziellen Teil gibt es ein Nachtessen und auch für Unterhaltung ist gesorgt.