Der Trienger Samichlaus wird 50

17.11.2018, Christoph Leisibach
Die St. Nikolausgesellschaft Triengen feiert dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Grund genug für Gründungsmitglied und Alt-Chlaus Josef Gehrig, einen Rückblick zu wagen.

Wir schreiben das Jahr 1968. Kurz vor Jahresende, am 29. Dezember, versammeln sich auf Initiative von Pfarrer Niklaus Kaufmann hin 15 junge, zupackende Männer im Pfarreiheim Triengen. Sie alle vereint die Liebe und Faszination für den Samichlaus – aber vor allem auch eine aufrichtige Besorgnis. Im Laufe der vorangegangenen Jahre ist es nämlich zunehmend schwieriger geworden, geeignete und willige Leute für die Nikolauszeit zu rekrutieren.

Um diesem Brauchtum weiterhin Sorge zu tragen, wird die St. Nikolausgesellschaft Triengen gegründet. Schon damals mit dabei ist Josef Gehrig; als Teil des sechsköpfigen Gründungsvorstands. «Wir hatten immer ein gutes Team, einen guten Teamgeist», blickt er mit stolzer Freude auf seine 40-jährige Aktivzeit als Samichlaus und Materialverwalter zurück – freilich nicht ohne nachzuschieben, dass die St. Nikolausgesellschaft weit mehr sei als geselliger Spass.

 

Grosser Aufwand wird belohnt

Unzählige Leute vor und hinter den Kulissen sorgen für einen reibungslosen Ablauf. So gehören zum unverzichtbaren Kern einer Chlausgruppe zwar lediglich ein Samichlaus, ein Diener und zwei Schmutzlis. Aber erst die Entourage aus Trychlern, Geislechlöpfern und Iffeleträgern verleiht dem Anlass schliesslich seinen einnehmend feierlichen Charakter. Ganze neun Nikolausgruppen sind in und um Triengen jedes Jahr gleichzeitig im Einsatz. Chlauseinzug, Hausbesuche sowie weitere Anlässe setzen eine straffe Organisation voraus.

«Bei uns statten die Chläuse sämtlichen Haushalten mit Kindern oder Senioren ab 80 Jahren einen Besuch ab – in Triengen und den angrenzenden Aussenbezirken. Auch das Betagtenzentrum und der Kindergarten gehören dazu», erläutert Alt-Chlaus Gehrig das alljährliche  Mammutprogramm. Mit den vielen strahlenden Kinderaugen als Dank und Motivation lohne sich der Aufwand aber allemal.

 

 

Ungeschminkt und spontan

Das Erfolgsgeheimnis der Trienger Samichlaus-Version steckt im Detail. Auf Schminke wird gänzlich verzichtet. Das – bis auf den obligaten Bart – naturbelassene Gesicht verleiht dem Chlaus eine besonders natürliche Note. Was gehört denn an guten Eigenschaften sonst noch dazu? «Flexibilität, Spontaneität und hinreichend Fingerspitzengefühl», ist Gehrig überzeugt. Die grösste Herausforderung bestehe wohl darin, bei Hausbesuchen mit unterschiedlichen und zum Teil unerwarteten Situationen umgehen zu können. Um Neulingen nicht nur Mandarinen und Nüsse, sondern auch ein entsprechend kommunikatives Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, setzt man in Triengen daher auf interne Schulungen.

 

Im Wandel der Zeit

Tempora mutantur – die Zeiten ändern sich. Dies gilt auch für die Institution Samichlaus. Standen früher Tadel und Ermahnung im Zentrum, so findet der Hausbesuch heute in einem weithin wohltuenden Geist statt. Und die Rute, vormals der Albtraum vieler Kinder, wird mittlerweile eher als eine Art bestärkende Gedankenstütze verstanden. Auch wenn sich vielerorts ein regelrechtes Familienhappening entwickelt hat – ein Thema scheint zeitlos. Dazu Gehrig mit einem amüsierten Augenzwinkern: «Der Nuggi war ein immer wiederkehrendes Thema, nicht selten durfte ihn der Samichlaus jeweils mitnehmen.»

Solch anekdotische Beispiele zeigen, dass der Samichlaus kein Auslaufmodell ist. Zu sehr ist er im kollektiven Traditionsbewusstsein verankert. Seit nunmehr fünf Dekaden trägt die St. Nikolausgesellschaft Triengen zu Pflege und Erhalt dieses Brauchtums bei. Anlässlich der Jubiläumsfeier sind verschiedene Veranstaltungen geplant, unter anderem eine Festchronik sowie eine fünf Meter hohe Adventspyramide auf dem Vorplatz der Valiant-Bank. Zusätzlich wird im Schaufenster des Plattenleger-Teams an der Kantonsstrasse eine komplette Nikolausgruppe zu bestaunen sein.