23.02.2020

Grausiges, Körperliches und Tiefgründiges

von Geri Wyss

Vom dunklen Meeresgrund über verdreckte Wiesen und maroder Technik bis hinauf ins All reichte der Umzug der Roggenzunft am Sonntag. Dicht gedrängt liess sich das Fasnachtsvolk von den über 30 Nummern beeindrucken.

Die Vampire sind los in Schlierbach. Schon ganz zu Beginn des Umzuges fiel eine ganze Horde kleiner Blutsauger ins Dorf ein, als die Schulvampire dem heurigen Motto des Zunftmeisterpaars Marcel Troxler und Nathalie Bühlmann alle Ehre machte. Bluet-Suuger heisst aber auch die Guuggenmusik vom Tal aus Triengen, die zusammen mit anderen Combos für die passenden schränzenden Klänge und dumpfen Paukenschläge sorgten.

Wo nur war der Kaiman?

Die rund 700 Teilnehmenden verteilten sich auf 33 offizielle Nummern. Aber auch vereinzelte wilde Nummern ergänzten und bereicherten das Treiben auf den Strassen. Während der böige Wind um die Ohren pfiff und den vielen Zuschauern das Konfetti ins Gesicht trieb, liessen sich die Gruppen köstlich aus über allerhand Wundernswertes und Unpässliches, was übers Jahr für Schlagzeilen gesorgt hatte. In der näheren Umgebung war dies etwa der Kaiman vom Hallwilersee, der im Sommer für tagelange Schlagzeilen sorgte, sich aber partout nirgends zeigen wollte.

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Auch die Roggenzunft selber schaffte es mit ihrem prächtigen blauen Wagen nicht, das widerspenstige Tier zu fangen. Was auch immer wieder die Köpfe schütteln lässt, ist das leide Thema des weggeworfenen Abfalls durch geöffnete Autofenster, worunter vor allem Kühe auf den Wiesen zu leiden haben. Das Jodlerchörli «Heimelig am Gschweich» hielt der Gesellschaft unmissverständlich den Spiegel hin. 

Ein Stahlvogel, der nicht fliegt

Die beste Armee der Welt, schon mal so bezeichnet worden durch einen Magistraten in Bern, besitzt doch bestimmt auch die beste Luftwaffe. Mitnichten, sagte die Gruppe «Usrangschiert», welche einen FA18 präsentiert und es eigentlich noch schätzen würde, wenn dieses Ding anstelle der langen Mängelliste doch einfach fliegen würde. Ein weiteres Beleg helvetischer Unpässlichkeiten war die Axenstrasse. Hierbei war es jedoch der unruhige Berg, der die Strasse immer wieder blockierte, wie die Trychlergruppe Büron mit ihrem «Der Axen macht Faxen» vor Augen führte.

Wer natürlich an einer fasnächtlich-ironischen Ausmarchung auch nicht fehlen durfte, war die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg. «Früher erzählte man uns Märchen von Hänsel und Gretel, heute hänselt uns Gretel», hatte sich die Sportgruppe Schlierbach auf den Wagen geschrieben.

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Faszinierende Unterwasserwelt

Ein beeindruckender Wurf gelang der Lättöggel-Clique Winikon mit ihrem Motto «Onderwasser mit Nautilus», was die vielen gezückten Handys und Fotokameras beim Vorbeiziehen der Gruppe belegten. Ihre antiken Tauchanzüge und das an ein Seeungeheuer erinnernde Gefährt mit Gucklöckern war ein echter Blickfang an diesem windzerzausten Nachmittag.


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