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Sport

Oberkircher stellte sich Velo-«Tortour»

Stefan Kämpfen 26. August 2026

Die «Tortour» ist das grösste mehrtägige Nonstop-Ultracycling-Event der Welt und fand heuer vom 12. bis 16. August statt. Mitten unter den wagemutigen Bikern befand sich auch der Oberkircher Urban Schwegler, der sich zusammen mit seinem Velo-Partner David Smits in der Königsklasse auf den Weg machte, um Spenden für ein Projekt in Haiti zu erradeln.

Die «Tortour» ist das grösste mehrtägige Nonstop-Ultracycling-Event der Welt und fand heuer vom 12. bis 16. August statt. Mitten unter den wagemutigen Bikern befand sich auch der Oberkircher Urban Schwegler, der sich zusammen mit seinem Velo-Partner David Smits in der Königsklasse auf den Weg machte, um Spenden für ein Projekt in Haiti zu erradeln.

Normalerweise ist Urban Schwegler im Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil (SPZ) anzutreffen, wo er seit 15 Jahren als Leiter der Forschungsgruppe «Arbeit und Integration» tätig ist. Doch mit dem Radrennsport beschäftigt sich der 45-Jährige schon seit den Teenagerjahren und für den Veloclub Sursee bestritt er auf U23-Stufe sogar nationale Radrennen. Danach wurde es ruhiger um den sportbegeisterten Doktor, der erst im Jahre 2023 wieder vom Renn-Virus erfasst wurde. Damals fuhr er seine erste Tortour 1000 im Vierer-Team, zusammen mit drei Kolleginnen und Kollegen.

«Ich suche nach Momenten der inneren Freiheit mit Flow-Erlebnis.»

Urban Schwegler, Ultracycling-Fahrer und Tortour-Absolvent

Nach diesem Event dachte er im Sinne der persönlichen Freiheit, dass es auch einmal schön sein könnte, die 1000 Kilometer allein zurückzulegen. «Im 2024 versuchte ich dies ein erstes Mal, doch ich musste das Rennen nach 750 Kilometern abbrechen, unter anderem wegen Hagel, Gewitter und Dauerregen», erinnert sich der in Sempach wohnhafte Extremsportler. Ein Jahr später schaffte er dann die 1000 Kilometer in gut 60 Stunden und für dieses Jahr wollte er es nochmals im Team wissen und fuhr die Strecke zusammen mit dem ebenfalls 45-jährigen David Smits, einem Bergkameraden aus Sempach Station und einem seiner besten Freunde.

Kameradschaft und geteilte Freude

«Ich suche nach Momenten der inneren Freiheit mit Flow-Erlebnis», sagt Schwegler über seine Motivation für diese Willensleistung und fügt an: «Es geht mir aber auch um das Leben von Kameradschaft mit gegenseitiger Unterstützung, gemeinsamer Vorbereitung auf ein Ziel sowie geteilter Freude über den Moment und das Geleistete.» Denn die Strecke von und bis Schaffhausen, einmal um die Schweiz herum, hatte es in sich: Beide Ultracycling-Fahrer mussten zirka 1120 Kilometer zurücklegen, wobei Urban Schwegler rund 620 Kilometer unter die Räder nahm. Insgesamt haben die beiden rund 13'000 Höhenmeter überwunden, bevor sie mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 22,7 km/h und nach 44 Stunden, 23 Minuten und 36 Sekunden Fahrzeit die Ziellinie überquerten.

Einmal rund um die Schweiz

Urban Schwegler beschreibt seine Rennerlebnisse so: «Der Start war um drei Uhr morgens. Der erste Tag lief prima – viel positive Energie und ein guter Start entlang des Bodensees und des Rheintals bis herunter nach Chur. Danach ging es in die Berge (Oberalp, Susten) – das war anstrengend, lief aber ebenfalls gut. Entlang des Brienzer- und Thunersees gab es dann am Freitagabend unerwartet ein heftiges Gewitter, was schon etwas Energie raubte. Danach ging es in der Nacht durchs Gantrischgebiet über den Gurnigelpass und den Col des Mosses bis nach Aigle und an den Genfersee. Dies war zwischenzeitlich etwas anstrengend, da das gute Vorderlicht ausfiel und ich die Abfahrt vom Col des Mosses bei relativ schlechten Lichtbedingungen bewältigen musste. Vom Genfersee ging es nach Yverdon und weiter an den Bielersee – hier wurde es Morgen, was guttat und die Lebensgeister weckte.

«Im Ziel gab es endlich das lang ersehnte, kalte Bier.»

Urban Schwegler, Ultracycling-Fahrer und Tortour-Absolvent

Danach ging es in den Jura (Grenchenberg–Court–Balsthal). In Welschenrohr/Balsthal war es dann 14 Uhr am Nachmittag und die Hitze wurde sehr heftig. Da hatte ich – nach einer relativ langen Strecke in Zeitfahrposition – erstmals etwas mit Müdigkeit zu kämpfen. Später ging es zur Belchenflue – mit etwa 15 Prozent der steilste Anstieg der gesamten Strecke –, wo ich darauf bedacht war, nicht abzusteigen. Dann folgte die Hitzefahrt bei 40 Grad durch den trockenen Jura, über Sissach bis nach Laufenburg – hier war ich enorm froh um die Coolpads und die wenigen Brunnen, die noch in Betrieb waren, um mich zu kühlen. Nach dieser Teilstrecke lösten wir ab und ich brauchte zwei Stunden, bis mein Körper wieder halbwegs abgekühlt war. Am Schluss ging es dem Rhein entlang bis nach Schaffhausen, wo dann die Ehrenrunde von 50 Kilometern auf uns wartete – ebenfalls nochmals gespickt mit kleineren Anstiegen. Kurz nach 23 Uhr kamen wir im Ziel an und wurden von der Tortour-Crew und einer kleinen Fangruppe rund um meinen Schaffhauser Freund Albert Marti erwartet, die uns in Empfang nahmen. Und dann gab es endlich das lang ersehnte kalte Bier.»

7500 Trainingskilometer

Trotzdem war Aufgeben keine Option für Urban Schwegler. Anders war dies im letzten Jahr, als er noch allein unterwegs war. «Den Event allein zu fahren, ist etwas total anderes als zu zweit, denn zu zweit hat man jeweils Teilstrecken und dann eine Pause von zwei bis drei Stunden. Allein muss man in einem definierten Zeitraum durchfahren und man kann sich kaum ausreichend erholen.» Als Einzelfahrer habe man mehrfach lange Strecken zwischen 200 und 300 Kilometern zu bewältigen und viele Passfahrten. Dieses Jahr seien es verschiedene, nicht ganz so lange Einheiten von 100 bis 150 Kilometern mit grösserer Intensität gewesen. Insgesamt hatte Schwegler etwa 7500 Trainingskilometer in den Beinen, bevor er an der Tortour 2026 teilnahm.

Wenn zwei «Verrückte» radeln

Urban Schwegler und David Smits traten unter dem Namen «Los Locos» (auf Deutsch: die Verrückten) an. Der Name habe allerdings nichts mit dem Rennen, sondern vielmehr mit einer alten Freundesgruppe zu tun, der die beiden angehörten. «Wir waren damals eine Gruppe von Freunden, die sich vor allem in der Natur trafen, gerne an Rockkonzerte gingen, lange Haare trugen und auch sonst gerne mal etwas über die Stränge geschlagen haben», schmunzelt Schwegler. In der Zeit ist er auch häufig nach Südamerika gereist, weshalb sich sein Übername «Que pasa» (auf Deutsch: Was ist los? Was geht ab?) bis zur heutigen Zeit gehalten hat.

Spenden für Erdbebenopfer

Aber dies ist nicht die einzige Verbindung zur Neuen Welt, denn auch an der diesjährigen Tortour sammelte er Spenden für den Verein «HaitiRehab Schweiz». Dieser kleine Verein, dem Schwegler selbst angehört, arbeitet eng mit einer Rehabilitationsklinik in Cap-Haïtien zusammen und sammelt jedes Jahr mit verschiedenen Benefizanlässen Geld, um pragmatische Direkthilfe für die Leute in Haiti zu leisten. Nach den schweren Erdbeben im Jahr 2010 gab es viele Leute in Haiti, die eine Rückenmarksverletzung davontrugen und rollstuhlbedürftig wurden. Für diese Leute gab es weder vernünftige Versorgungs- und Rehabilitationsangebote noch eine Unterstützung bezüglich gesellschaftlicher Integration. «Ich stehe voll hinter dieser Aktion, weil sie auf einfache Art und Weise ehrenamtlich und mit überschaubaren Ressourcen pragmatisch unterstützt und es auch klar ist, dass das Geld wirklich dort ankommt, wo es etwas hilft», bemerkt Schwegler. Dieses Jahr seien knapp 2000 Franken zusammengekommen.