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«Wir wissen, wohin wir wollen»

Flavia Rivola  31. August 2026

Lustat veröffentlichte im Juli Zahlen zu Aufwand- und Ertragsüberschüssen. Diese Zeitung hat bei den Gemeinden Oberkirch, Schenkon, Schlierbach und Triengen, die grössere Aufwandüberschüsse aufwiesen, sowie bei Neuenkirch und Sempach, die grosse Ertragsüberschüsse verzeichneten, nachgefragt.  

Lustat veröffentlichte im Juli Zahlen zu Aufwand- und Ertragsüberschüssen. Diese Zeitung hat bei den Gemeinden Oberkirch, Schenkon, Schlierbach und Triengen, die grössere Aufwandüberschüsse aufwiesen, sowie bei Neuenkirch und Sempach, die grosse Ertragsüberschüsse verzeichneten, nachgefragt.  

Marcel Häberli, Gemeindepräsident Schenkon

Fassen Sie die Situation Ihrer Gemeinde bitte kurz in eigene Worte. 

Der Gemeinderat betrachtet das Rechnungsergebnis 2025 und die jüngsten Vorjahre nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit der gesamten finanziellen Entwicklung unserer Gemeinde. Wir haben diese Entwicklung klar im Blick, handeln vorausschauend und richten unsere Entscheide konsequent auf die langfristige Stärke von Schenkon aus.

Die heutige Situation ist auch das Ergebnis früher bewusst gewählter finanzpolitischer Entscheide. Schenkon verfügte über eine sehr starke Eigenkapitalbasis. Es wurde transparent kommuniziert, dass der tiefe Steuerfuss beibehalten und ein Teil dieses aufgebauten Eigenkapitals bewusst zugunsten der Bevölkerung eingesetzt werden soll. Gleichzeitig hat die Bevölkerung demokratisch wichtigen Investitionen zugestimmt, die für die langfristige Entwicklung unserer Gemeinde notwendig und wertvoll sind. Selbstverständlich zeigen sich diese Entscheide heute auch in den Finanzzahlen.

Was hat zu diesem Aufwandüberschuss geführt?

Persönlich möchte ich frühere Entscheide nicht im Nachhinein beurteilen oder kommentieren. Sie wurden unter den damaligen Rahmenbedingungen getroffen. Neben gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen haben sich auch die Anforderungen und Kosten in Bereichen wie Bildung und Soziales sowie die Kostenverteilung zwischen Kanton und Gemeinden verändert. Das führt dazu, dass Gemeinden heute andere finanzielle Herausforderungen bewältigen müssen als noch vor einigen Jahren. Entscheidend ist für mich deshalb der Blick nach vorne. Mit unserer Finanz- und Steuerstrategie verfügen wir über einen klaren und starken Kurs. Daraus werden gezielt Massnahmen abgeleitet, welche die finanzielle Handlungsfähigkeit von Schenkon langfristig sichern und unsere Gemeinde weiter stärken.

Besonders erfreulich ist, dass sich Schenkon weiterhin qualitativ entwickelt. Dieses Wachstum zeigt, dass unsere Gemeinde als Wohnort und Wirtschaftsstandort attraktiv bleibt. Genau diese positive Entwicklung wollen wir mit Augenmass weiterführen und gleichzeitig die finanziellen Rahmenbedingungen nachhaltig sichern.

Welche Massnahmen müssen getroffen werden, um die Situation zu verbessern (z. B. Steuerfusserhöhung)?

Den einzelnen Massnahmen möchten wir zum heutigen Zeitpunkt bewusst nicht vorgreifen. Für uns ist wichtig, dass zuerst die Schenkoner Bevölkerung transparent, umfassend und im Gesamtzusammenhang informiert wird.

Was wäre Ihr Wunschszenario, wie es weitergehen soll?

Unser Ziel bleibt klar: Schenkon soll langfristig über gesunde Finanzen verfügen und gleichzeitig ein attraktiver Steuerstandort mit einem tiefen Steuerfuss bleiben. Unsere hohe Lebensqualität, attraktive Rahmenbedingungen für Unternehmen und eine starke Infrastruktur wollen wir nicht nur erhalten, sondern gezielt weiterentwickeln.

Wir wissen, wohin wir wollen, und wir haben die notwendigen Grundlagen geschaffen, um diesen Weg mit Weitsicht weiterzugehen. Schenkon ist ein Ort, wo Leben, Arbeiten und Erholen perfekt zusammenpassen.

Isabelle Kunz-Schwegler, Gemeindepräsidentin Triengen

Fassen Sie die Situation Ihrer Gemeinde bitte kurz in eigene Worte.

Die Jahresrechnung der Gemeinde Triengen schliesst 2025 mit einem Aufwandüberschuss von 488'402 Franken ab. Budgetiert war ein Aufwandüberschuss von 1'329'900 Franken. Trotz des besseren Ergebnisses hat Triengen weiterhin ein strukturelles Defizit.

Was hat zu diesem Aufwandüberschuss geführt?

Die stetig steigenden Mehrkosten bei den gebundenen Ausgaben (vor allem in den Bereichen Bildung und Soziales) wie auch die Investitionen in Liegenschaften des Verwaltungsvermögens, stellen die Gemeinde vor grosse Herausforderungen. Dies zeigen die publizierten Finanz- und Immobilienstrategien.

Welche Massnahmen müssen getroffen werden, um die Situation zu verbessern (z. B. Steuerfusserhöhung)? 

Bereits anlässlich der Budgetgemeindeversammlung vom Dezember 2025 hat der Gemeinderat der Bevölkerung die Herausforderungen aufgezeigt. Die Investitionen in die notwendigen Projekte sind nur mit einer Erhöhung des Steuerfusses und einem weiterhin sorgfältigen Umgang mit den vorhandenen Mitteln möglich. Dies sind zwingende Massnahmen, um die Selbstfinanzierung zu verbessern.

Raphael Kottmann, Gemeindepräsident Oberkirch

Fassen Sie die Situation Ihrer Gemeinde bitte kurz in eigene Worte.  

Die Gemeinde Oberkirch schliesst mit einem Aufwandüberschuss von 1,76 Mio. Franken ab. Budgetiert war ein Minus von 1,46 Mio. Franken; die Abweichung beträgt somit rund 300’000 Franken. Hauptgründe dafür sind die weiter steigenden Kosten im Sozial- und Gesundheitswesen sowie im Bildungsbereich.

Gleichzeitig befindet sich Oberkirch nach einer Phase starken Wachstums in einer Konsolidierungsphase. Gestützt auf das Mitte 2020 verabschiedete Räumliche Entwicklungskonzept (REK) strebt die Gemeinde ein moderates jährliches Wachstum von rund 0,5 bis 0,75 Prozent an. Das REK wurde in einem partizipativen Prozess unter Mitwirkung der Planungs- und Baukommission, der politischen Parteien und der Bevölkerung erarbeitet und weist einen Planungshorizont von 15 bis 25 Jahren auf (Infos unter «Gemeindeverwaltung Oberkirch – Räumliches Entwicklungskonzept (REK)»). Die geringere Zahl an Zuzügen und die rückläufige Dynamik des Liegenschaftshandels wirken sich jedoch auf die Entwicklung der Steuereinnahmen aus. Besonders spürbar ist dies bei den stark schwankenden Objektsteuern, namentlich der Handänderungs- und der Grundstückgewinnsteuer.

Vor diesem Hintergrund beschlossen die Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung vom 24. November 2025, den Steuerfuss per 1. Januar von 1.55 auf 1.65 Einheiten zu erhöhen. Dadurch wird mit jährlichen Mehreinnahmen von rund 1 Mio. Franken gerechnet. Die finanzielle Situation bleibt dennoch anspruchsvoll, zumal die kommunalen und regionalen Aufgaben sowie die weitgehend gebundenen Ausgaben weiterhin zunehmen.

Was hat zu diesem Aufwandüberschuss geführt?

Zum Aufwandüberschuss beigetragen haben insbesondere die weiter steigenden, von der Gemeinde nur beschränkt beeinflussbaren Kosten im Sozial- und Gesundheitswesen sowie übergeordnete politische Entscheide im Bildungsbereich. Gleichzeitig entwickelten sich, wie zuvor erwähnt, die Steuereinnahmen – insbesondere bei den stark schwankenden Objektsteuern wie den Handänderungs- und Grundstückgewinnsteuern – aufgrund des moderateren Wachstums und des rückläufigen Liegenschaftshandels weniger dynamisch als in früheren Jahren. Der Aufwandüberschuss ist somit nicht auf einen einzelnen Faktor, sondern auf das Zusammenspiel von steigenden gebundenen Ausgaben und einer abgeschwächten Einnahmenentwicklung zurückzuführen.

Hat dies unmittelbare Auswirkungen auf geplante Projekte? 

Ob und in welchem Umfang sich daraus unmittelbare Auswirkungen auf geplante Projekte ergeben, wird sich im Rahmen der Budgeterarbeitung 2027 und der Aktualisierung der Finanzplanung zeigen. Der Gemeinderat wird die finanzpolitische Lage wie in der Vergangenheit besonders sorgfältig analysieren und die vorgesehenen Investitionen hinsichtlich Dringlichkeit, zeitlicher Staffelung und finanzieller Tragbarkeit überprüfen. Entscheidend wird sein, die notwendigen Investitionen weiterhin zu ermöglichen, ohne den Finanzhaushalt der Gemeinde langfristig aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Welche Massnahmen müssen getroffen werden, um die Situation zu verbessern (z. B. Steuerfusserhöhung)? 

Der Steuerfuss wurde per 1. Januar von 1.55 auf 1.65 Einheiten erhöht. Dadurch rechnet die Gemeinde mit jährlichen Mehreinnahmen von rund CHF 1 Mio. Gleichzeitig werden das kommunale Leistungsangebot und die geplanten Investitionen im Rahmen der jährlichen Budgetierung und Finanzplanung weiterhin sorgfältig auf ihre Notwendigkeit, Priorität und finanzielle Tragbarkeit überprüft. Da ein wesentlicher Teil des Kostenwachstums auf übergeordnete Vorgaben und weitgehend gebundene Ausgaben zurückzuführen ist, sind dem kommunalen Handlungsspielraum Grenzen gesetzt. Ziel bleibt ein langfristig ausgeglichener Finanzhaushalt, ohne die Standort- und Lebensqualität der Gemeinde einzuschränken.

Was wäre Ihr Wunschszenario, wie es weitergehen soll?

Wünschenswert wären eine stärkere Entwicklung der Steuereinnahmen sowie eine geringere Kostendynamik im Sozial- und Gesundheitswesen. Dazu braucht es auch politische Korrekturmassnahmen und eine angemessene finanzielle Beteiligung des Kantons an den von ihm mitbestimmten beziehungsweise vorgegebenen Leistungen. Gleichzeitig möchten wir mit der laufenden Ortsplanungsrevision die Voraussetzungen für eine ausgewogene und qualitativ hochwertige Entwicklung Oberkirchs schaffen. Unser Ziel ist es, die finanzielle Stabilität langfristig zu sichern und dennoch die hohe Wohn-, Lebens- und Standortqualität der Gemeinde zu erhalten.

Frank Hürzeler, Finanzvorsteher Schlierbach

Fassen Sie die Situation Ihrer Gemeinde bitte kurz in eigene Worte.

Der Gemeinderat beurteilt die Finanzlage als herausfordernd, aber vorsichtig positiv.

Was hat zu diesem Aufwandüberschuss geführt?

Mit der Genehmigung des Sonderkredits für die Erweiterung der Schulanlagen hat der Gemeinderat die finanziellen Aussichten im Juli 2022 umfassend dargelegt. Die Kosten von gut 2 Millionen haben den Finanzhaushalt stark belastet.

Hat dies unmittelbare Auswirkungen auf geplante Projekte? 

Investitionen wurden 2025 sehr zurückhaltend ausgeführt. Die nicht getätigten Investitionen wurden grossmehrheitlich auf das Jahr 2026 übertragen. Notwendige Investitionen können in den folgenden Jahren getätigt werden.

Welche Massnahmen müssen getroffen werden, um die Situation zu verbessern (z. B. Steuerfusserhöhung)? 

Im Rahmen der Erarbeitung der Gemeindestrategie 2024 bis 2034 und des Legislaturprogramms 2024 bis 2028 wurde die Finanzlage beurteilt. Eine Massnahme war die Erhöhung des Steuerfuss auf 1.8 Einheiten (GV vom 20.11.2025). Die Auswirkungen wurden im AFP 2026 bis 2029 aufgezeigt.

Was wäre Ihr Wunschszenario, wie es weitergehen soll?

Dass es durch die Erhöhung des Steuerfusses zum erwarteten Handlungsspielraum für Investitionen kommt. Als kleine Gemeinde führt eine Investitionsspitze zu einer hohen Verschuldung.

Ermi Krieger, Finanzvorsteherin Sempach

Fassen Sie die Situation Ihrer Gemeinde bitte kurz in eigene Worte.

Zum Rechnungsabschluss 2025 verweisen wir auf unsere Medienmitteilung vom 15. April.

Die Stadt Sempach verfügt über solide Finanzen, was sich im Eigenkapital zeigt. Dank einer positiven Entwicklung der Steuerkraft konnten die Fiskalerträge stabil gehalten und der Steuerfuss kontinuierlich auf heute 1.65 Einheiten gesenkt werden (s. Vergleich Steuerfüsse Sempachersee-Gemeinden «Sempacher Woche» vom 5. Februar). Der Ertragsüberschuss 2025 stärkt das Eigenkapital zusätzlich.

Was hat zu diesem Ertragsüberschuss geführt?

Der Ertragsüberschuss beruhte nicht nur auf einer soliden Steuerertragsbasis, auch auf der Ausgabenseite konnten nicht alle Vorhaben planmässig realisiert werden, vor allem wegen personeller Ressourcen. Ein Teil des guten Ergebnisses ist also die Verschiebung von Aufwand und Investitionen in künftige Jahre, nicht eine strukturelle Einsparung. Diese Verschiebungen dürften sich nun verstärkt aufwandseitig bemerkbar machen.

Hat dies unmittelbare Auswirkungen auf geplante Projekte?

Die Investitionstätigkeit war 2025 ungewöhnlich tief und lag deutlich unter dem, was der eigene Finanzplan für die Periode vorgesehen hatte. Dadurch konnten die finanziellen Ressourcen geschont werden. Dies bedeutet aber tendenziell einen Investitionsstau, der sich in den Folgejahren wieder aufbaut.

Resultieren daraus Massnahmen, die getroffen werden (müssen)? Zieht man eine weitere Steuerfusssenkung in Betracht?

Die Stadt Sempach setzt weiterhin auf eine gute Ausgabendisziplin und einen verantwortungsvollen Umgang mit den verfügbaren Ressourcen. Damit konnten das Eigenkapital gestärkt und der Steuerfuss in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesenkt werden. Über die künftige Entwicklung des Steuerfusses wird im Rahmen der jeweiligen Budget- und Finanzplanung entschieden.

Was wäre Ihr Wunschszenario, wie es weitergehen soll?

Sempach ist finanziell solide aufgestellt. Diese finanzielle Stabilität liegt vor allem in der guten Ausgangslage (Eigenkapital, keine Nettoschuld). Das 2025er-Resultat ist positiv, aber massgeblich durch verschobene Investitionen und unbesetzte Stellen getrieben. Beides Einmaleffekte, die in den Folgejahren tendenziell aufgeholt werden. Die eigentlichen Kennzahlen, die wir im Auge behalten müssen, sind der Selbstfinanzierungsgrad über mehrere Jahre und die Pro-Kopf Verschuldung, nicht das einzelne Jahresergebnis. Es ist unser Ziel, die für jede Gemeinde stark steigenden Kosten aus den Bereichen Gesundheit und Bildung so tragen zu können, dass auch die anderen Aufgabenbereiche ihren öffentlichen Auftrag zuverlässig erfüllen können.

Benjamin Emmenegger, Finanzvorsteher Neuenkirch

Fassen Sie die Situation Ihrer Gemeinde bitte kurz in eigene Worte.

Der ausserordentliche Ertragsüberschuss ist auf einmalige Neubewertungseffekte zurückzuführen, nicht auf eine strukturelle Veränderung des laufenden Haushalts. Neuenkirch verfügt über eine solide finanzielle Ausgangslage. Diese nutzen wir, um unsere Finanz- und Steuerstrategie grundsätzlich zu überarbeiten. Nächste Woche findet dazu eine Mitwirkungsveranstaltung statt, an der wir mit der Bevölkerung Investitionsvorhaben und einen möglichen Steuersenkungspfad diskutieren.

Was hat zu diesem ausserordentlichen Ertragsüberschuss geführt?

Ausschlaggebend war die Neubewertung von Liegenschaften, die aktuell beplant und künftig überbaut werden – insbesondere das Gebiet Krauerhus-Egg. Diese Neubewertung führte zu deutlich höheren Liegenschaftswerten und damit zu einer erfolgswirksamen Buchung im Jahresergebnis. 2025 war dieser Effekt noch nicht budgetiert; für 2026 ist die zweite Tranche bereits eingeplant.

Hat dies unmittelbare Auswirkungen auf geplante Projekte?

Nein. Oder eher positiv. Die Mehrwerte sind in der Bilanz ausgewiesen, je hälftig im Verwaltungs- und im Finanzvermögen. Beide Aufwertungen wirken sich zudem ausgleichend auf den Verschuldungsgrad aus.

Resultieren daraus Massnahmen, die getroffen werden (müssen)? Zieht man eine Steuerfusssenkung in Betracht?

Diese Fragen sind Teil der laufenden Überarbeitung der Finanz- und Steuerstrategie, die unabhängig vom Einmaleffekt bereits aufgegleist war.  

Was wäre Ihr Wunschszenario, wie es weitergehen soll?

Der Prozess ist bereits aufgegleist: Nächste Woche findet die Diskussion zur Finanz- und Steuerstrategie im Rahmen der Mitwirkungsveranstaltung statt.