Die hohe Beteiligung zeigte, wie stark die geplante Aufwertung und Buserschliessung des Bahnhofareals die Bevölkerung beschäftigt. Durch den Abend führten Gemeindepräsident Walter Steffen sowie Gemeinderat Meinrad Müller. Unterstützt wurden sie von Thomas Schemm, Planer öV-Angebot beim Verkehrsverbund Luzern, und Simon Brun, Verkehrsplaner der Firma Felder & Partner. Sie informierten über die Ziele des Projekts und die vorgesehenen Massnahmen zur Verbesserung der Verkehrs- und Bahnhofsinfrastruktur.
Verbesserungen für breite Bevölkerung
Zu Beginn wurde die Bedeutung des Bahnhofstandorts für Nottwil hervorgehoben. Als Standortgemeinde der Schweizer Paraplegiker-Gruppe komme einer hindernisfreien und sicheren Erschliessung des öffentlichen Verkehrs besondere Bedeutung zu, hiess es vonseiten des Gemeinderates. Von den geplanten Verbesserungen würden nicht nur Menschen mit eingeschränkter Mobilität, sondern auch ältere Personen, Familien mit Kinderwagen sowie alle Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Verkehrs profitieren.
Neugestaltung Bahnhof zentral
Thomas Schemm erläuterte die langfristige Entwicklung des öffentlichen Verkehrs in der Region. Dabei gehe es nicht nur um Nottwil, sondern um die gesamte Erschliessung rund um den Sempachersee. Der Bahnhof Sursee stosse bereits heute an seine Kapazitätsgrenzen. Künftig sollen deshalb direkte Verbindungen geschaffen werden, damit Reisende ihre Ziele ohne Umweg über Sursee erreichen können. Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Neugestaltung des Bahnhofareals. Die Verantwortlichen betonten insbesondere den Sicherheitsaspekt. Durch ein Einbahnregime sowie die Neuorganisation der Parkfelder sollen die Verkehrsströme klarer geführt und Konfliktsituationen reduziert werden. Eine Variantenstudie habe zudem ergeben, dass die geplante Bushaltestelle direkt beim Bahnhof aus fachlicher Sicht der geeignetste Standort sei.
Begegnungszone und Anlieferung kritisiert
In der anschliessenden Fragerunde wurden verschiedene kritische Punkte angesprochen. Besonders die geplante Begegnungszone im Bahnhofbereich sorgte für Diskussionen. Verkehrsplaner Simon Brun verwies auf positive Erfahrungen aus anderen Gemeinden. Begegnungszonen hätten sich sowohl in Dorfzentren als auch bei Bahnhofarealen bewährt. Auch die Anlieferung der an der Bahnhofstrasse ansässigen Betriebe wurde thematisiert. Gemeinderat Meinrad Müller erläuterte anhand der vorgesehenen Verkehrsführung, wie die Zufahrt und Warenanlieferung für das Caribbean Village sowie weitere Unternehmungen künftig sichergestellt werden könne.
Buszufahrt eng und unübersichtlich
Intensiv diskutiert wurde auch die zukünftige Zufahrt der Busse von der Kantonsstrasse in die Bahnhofstrasse. Mehrere Anwesende äusserten Bedenken zur heutigen Verkehrssituation beim Einmünder an der Kantonsstrasse, die insbesondere während der Stosszeiten als eng und unübersichtlich wahrgenommen werde. Auch die Breite der Bahnhofstrasse wurde hinterfragt. Verschiedene Votanten vertraten die Ansicht, dass sich Busse und Personenwagen teilweise nur mit Mühe kreuzen könnten.
Ball liegt bei Stimmberechtigten
Einige Anwohner kritisierten das Projekt als falsch dimensioniert, zu wenig durchdacht und derzeit nicht prioritär. Ihrer Ansicht nach müsse zuerst die Zufahrtssituation gelöst werden. Gleichzeitig meldeten sich aber auch Befürworter zu Wort und betonten, dass jedes Projekt Vor- und Nachteile mit sich bringe und nicht alle Wünsche von Beginn an umgesetzt werden könnten. Die Verantwortlichen hätten umfassende Abklärungen vorgenommen und verfügten über die notwendige Erfahrung. Die Diskussion zeigte, dass das Projekt die Bevölkerung bewegt und unterschiedlich beurteilt wird. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei den Stimmberechtigten. An der Gemeindeversammlung vom 18. Juni wird über die Einzonung der für das Projekt benötigten Landfläche abgestimmt.


