Samstag, 10. Oktober, 13.45 Uhr: Der Startschuss zu unserem ersten Halbmarathon am Hallwilersee lag nur noch wenige Augenblicke entfernt. Gespannt lauschten wir dem Countdown. …, drei, zwei, eins, gooooo. Unter den Anfeuerungsrufen der Zuschauerinnen und Zuschauer liefen wir los. Die verbleibenden Kilometer waren jeweils mit Schildern markiert, was mich anfangs nicht sonderlich motivierte. Noch 19 Kilometer bis zum Ziel. Ah ja, dann war es ja nicht mehr so weit. Ich versuchte, mich davon nicht abschrecken zu lassen. Allerdings fühlte es sich bereits nach wenigen Minuten so an, als wären meine Schnürsenkel zu locker gebunden, was mich beunruhigte. Ich betete, dass sich die Knoten nicht lösen würden, konnte mich aber nicht nur auf meine Schuhe konzentrieren, da wir immer wieder von Kameras überrascht wurden. Ich versuchte stets, ein freundliches Lächeln aufzusetzen, was vermutlich eher einer gequälten Grimasse gleichkam.

Liv Keller beim Halbmarathon am Hallwilerseelauf.
Foto zVg
Immerhin wirkten die lauten Jubelschreie und die mit Sprüchen bemalten Schilder einer körperlichen Resignation entgegen. Auf den Schildern standen Sprüche wie «Beeil dich, das Bier wird warm!», «Berühre hier für ein Power-up!» oder – mein persönlicher Favorit – «Such dir einen schönen Arsch und folg ihm!». Da wir alle mit einem Zettel mit Laufnummer und Name darauf ausgestattet waren, wurden wir manchmal sogar direkt mit Namen angefeuert. «Go Liv», rief mir eine Frau zu und strahlte mich an. Das liess mich noch schneller werden. Die vielen Überholmanöver brachten mich allerdings völlig ausser Puste, weshalb mich der Anblick der befüllten Becher an den wiederkehrenden Getränkestationen jedes Mal erleichtert aufatmen liess. Dass ich zum Trinken meinen Lauffluss unterbrechen musste, machte mir spätestens ab Kilometer 15 nichts mehr aus. Ich spürte, wie meine Beine schwerer wurden und meine Energie nachliess. Dennoch lächelte ich in mich hinein, als ich das Schild erblickte. Noch sechs Kilometer bis zum Ziel. Ich zog mein Tempo nochmals an, spürte, wie das Adrenalin durch meine Adern pumpte, und sog die elektrisierende Atmosphäre in mich auf. Noch ein Kilometer bis zum Ziel. Ich kämpfte mich durch die letzten Meter, bis sich endlich die Zielgerade vor mir erstreckte. Für einen kurzen Augenblick gerieten jegliche Umgebungsgeräusche in den Hintergrund, nur um dann doppelt so intensiv auf mich einzuwirken. Ich hatte es geschafft. Die 21,1 Kilometer lagen hinter mir und das Gefühl war unglaublich. Ich will das auf alle Fälle nochmals erleben, weshalb für mich bereits das nächste Schild in Sicht kommt: Noch 359 Tage bis zum Start.