An schönen Tagen im Sommer ist der Sempachersee von allerlei Wasserfreudigen übersät – im oder auf dem Wasser, schwimmend, mit Boot, Pedalo oder beim Stand-up-Paddeln. Besonders bei letzterem lässt sich ohne viel Aufwand der See erkunden, auf den Wellen sitzen, liegen oder stehen und die Ruhe geniessen. Und genau deshalb erfreut sich dieses seit einigen Jahren vielerorts zunehmender Beliebtheit. Auf dem Wasser stehend über den See wandeln zu können, ist allerdings nicht erst mit dem Aufkommen des SUP-Sports möglich geworden. Schon vor über 100 Jahren fand mit Alfred Schifferli ein findiger Sempacher einen Weg, sich mobil, wendig und in stehender Position auf dem Wasser bewegen zu können. Allerdings nicht aus Erholungs- oder Sportzwecken, sondern im Sinne der Forschung.
Der begeisterte Hobbyornithologe Schifferli ging in Sempach seiner Leidenschaft für die Vogelkunde nach. So beobachtete er Vögel, forschte zu ihrem Verhalten und verfasste umfassende Schriften dazu, die er unter anderem im «Ornithologischen Beobachter» abdrucken liess. Diese Arbeit beanspruchte viel Zeit und Fleiss sowie wohl auch wissenschaftlichen Ehrgeiz, um bestmögliche Daten erheben zu können. Im Zuge dessen dachte er sich beispielsweise seine «Wassergleitschuhe» aus, mit denen er stehend übers Wasser gleiten konnte. Darüber, inwiefern ihm seine Erfindung für konkrete Arbeiten hilfreich war, sind nur Vermutungen anzustellen. Sehr wahrscheinlich dienten die Wassergleitschuhe dazu, vom See her die Vögel im Schilfgürtel zu beobachten. Dank seines grossen Engagements brachte er später als Mitinitiant die Schweizerische Vogelwarte nach Sempach.
Patentieren lassen
Im August 1912 bekam Alfred Schifferli vom Eidgenössischen Amt für Geistiges Eigentum die Patentschrift mit Hauptpatent für sein Wassergleitschuhpaar: «Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Wassergleitschuhpaar, mittelst welchem sich der Träger desselben, z. B. gehend oder mittelst eines Ruders, auf dem Wasser fortbewegen kann.» Die beiden Schuhe sind durch ein Verbindungsstück – Schnur oder Kette – gekuppelt. Dies, um Bewegung zu gestatten, ohne dass sich die Schuhe zu weit voneinander entfernen. Ihren Auftrieb bekommen sie durch je drei Hohlräume, wobei zwei davon durch Scheidewände abgetrennt sind, sodass sie wasserdicht bleiben, sollte durchs Einstiegsloch Wasser eintreten. Unter diesen Voraussetzungen benennt Schifferli als grosse Vorteile des Wasserschuhpaares einerseits die Tragfähigkeit der Schuhe, auch bei Leckwerden, aufgrund der dichten, separaten Lufthohlräume. Andererseits im Falle eines Sturzes die Möglichkeit, sich wieder auf die Schuhe stützen zu können, sowie die Schuhe sofort lösen zu können, ohne erst eine Bindung öffnen zu müssen.

