28.02.2018

Klirrende Kälte hat Region im Griff

Minusgrade im zweistelligen Bereich sind nicht jedermanns Sache. Diese Zeitung wollte wissen, wie die Bevölkerung in der Region mit dem kalten Wetter zurechtkommt.

«Wir schauen zu unseren Leuten. Bei uns erfriert niemand auf der Baustelle», stellt Reto Birrer, Präsident des Baumeisterverbands Luzern, klar. «Wo es Sinn macht, wird gearbeitet – wenn teils auch stark reduziert.» Auf den Baustellen seien warme Baracken vorhanden, und man treffe entsprechende Vorkehrungen, um die Arbeiter vor der Kälte zu schützen. Zudem würde es sich gar nicht lohnen, bestimmte Arbeiten zu erzwingen: «Wenn die Leute zu kalt haben, dauern die Arbeiten länger. Überdies leidet die Qualität bei der Betonverarbeitung.» Viele Unternehmen würden die kalten Tage deshalb nutzen, um Überstunden vom vergangenen Jahr zu kompensieren. «Es handelt sich ja nur um ein paar Tage, die richtig kalt sind. Und sollte dies längerfristig der Fall sein, gäbe es immer noch eine Schlechtwetterentschädigung, auf die man sich berufen könnte», sagt der Knutwiler Bauunternehmer.

Der Kälte Positives abgewinnen
Landwirt Pius Eggerschwiler kann der eisigen Kälte auch Positives abgewinnen. So seien die kalten Tage beispielsweise ideal für Waldarbeiten: «Wenn der Boden gefroren ist, können Baumstämme viel einfacher aus dem Wald herausgezogen werden, und es entstehen dabei weniger Schäden am Boden.» Auf seinem Betrieb mit Mutterkuhhaltung habe er in den vergangenen Tagen jedoch stets darauf achten müssen, dass die Wasserleitungen im Stall nicht zufrieren. Auch seien bei vielen Bauern die Jauchegruben langsam voll. «Die Gülle kann bei solch tiefen Temperaturen nicht ausgebracht werden. Denn damit die Pflanzen die Nährstoffe aufnehmen können, darf es nicht zu kalt sein», weiss der Landwirt.

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Froh über trockene Wetterlage
Die eisige Kälte bringt die Werkdienste der Region glücklicherweise nicht ins Schwitzen. «Wir kommen gut mit der Kälte klar», sagt der Leiter des Trienger Werkdienstes, Patrick Illi. «Diese Woche arbeitete ich auf dem Friedhof mit einem Kleinbagger. Da brauchte es schon eine dicke Wolldecke über den Beinen.» Ansonsten trotzen die sechs Werkdienstmitarbeiter der Eiseskälte tapfer. «Wir sind froh, dass es bis jetzt trocken geblieben ist. Problematischer wäre ein plötzlicher Eisregen. In dem Fall müssten wir sofort mit dem Salzen beginnen.»

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Schlottern auf der Schlottermilch
Die Eiseskälte macht aber nicht nur all jenen zu schaffen, die bei diesen Temperaturen arbeiten müssen. Auch Sporttreibende werden derzeit auf die Probe gestellt. So etwa die Spieler der 1. Mannschaft des FC Sursee. Diese waren erst noch vergangene Woche im Trainingslager in Gran Canaria – wohlgemerkt bei 26 Grad Celsius – und mussten Anfang dieser Woche wegen der Kälte gar auf das Training draussen verzichten. «Bei diesen Temperaturen macht es schlichtweg keinen Sinn. Lieber lassen wir ein, zwei Trainings aus und dafür bleiben alle gesund», sagt Trainer André Grüter. Eigentlich sollten seine Spieler am Samstag die Mission «Ligaerhalt» gegen den FC Baden antreten (siehe Seite 27). Doch ob das Spiel stattfinden kann, ist derzeit noch unklar: «Wenn der Rasenplatz im Stadion Schlottermilch dann immer noch gefroren ist, müssen wir das Heimspiel der 1. Liga wohl verschieben», sagt Grüter.

Kälte ist auch ein Naturerlebnis
Bei den Stadtschulen Sursee habe man keine speziellen Vorkehrungen getroffen, wie Rektor Philipp Calivers erklärt: «Aussenaktivitäten finden derzeit keine statt. Ansonsten herrscht bei uns Courant normal.» Abgesehen von den 15-minütigen Pausen blieben die Schülerinnen und Schüler in den warmen Klassenzimmern. Und auch die Pausen im Freien seien kein Problem, wie Calivers erklärt: «In dieser kurzen Zeit können sie sich etwas Bewegung verschaffen. Und nicht zuletzt gehört wie die Hitze im Sommer auch die Kälte als ein Naturerlebnis zum Leben.»

Fotos: Edith Tanner, Tibor Petterfy, Fabio Birchler


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