Das Wauwilermoos.  (Foto zvg)
Das Wauwilermoos.  (Foto zvg)
06.09.2019

Neue Visionen für die Wauwiler Ebene

von Thomas Blümli

Das Projekt «Landwirtschaftliche Planung» des Vereines «Freunde der Wauwiler Ebene» soll Nutzungskonflikte im Naherholungsgebiet entschärfen. Am Dienstag luden die Beteiligten zur Ergebniskonferenz.

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Landwirte, Naturschützer, Ausflügler – verschiedene Akteure bewegen sich in der Wauwiler Ebene. Ihre jeweiligen Bedürfnisse stehen sich zum Teil gegenüber – Nutzungskonflikte sind die Folge. Hier die Bauern, die einen Grossteil des Landes bewirtschaften. Da die Umweltschützer, die sich für geschützte Lebensräume und Biodiversität einsetzen. Hinzu kommen Spaziergänger und Ausflügler, welche die Wauwiler Ebene als Naherholungsraum nutzen.

Der Verein «Freunde der Wauwiler Ebene» brachte alle an einen Tisch. Die Interessenvertreter erarbeiteten in fünf Workshops eine Vision für die Landschaftsgestaltung von morgen. Unterstützt wurde das Projekt von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (lawa) sowie vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). Rund 30 Personen waren es, die sich von Januar bis Juni zu den Besprechungen trafen, unter ihnen Landwirte, Naturschützer, Mitglieder verschiedener Vereine sowie Vertreter von Bund, Kanton und Gemeinden. Themen waren etwa der zunehmende Druck auf die landwirtschaftliche Nutzfläche oder die Verbesserung der Wertschöpfung in der Wauwiler Ebene.

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Sanierungsbedürftiges Entwässerungssystem

Ausgehend von den Ergebnissen der Workshops bilden sich nun Projektgruppen, die Problemstellungen in verschiedenen Bereichen angehen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwässerung der Wauwiler Ebene. Ziel ist die Anfertigung eines Bodenwasserhaushaltskonzepts. Als Grundlage dafür wird das Projektteam in einem ersten Schritt eine Datenerhebung durchführen. Diese soll klären, wie die Entwässerung in den Landwirtschaftsgebieten der Wauwiler Ebene im Detail funktioniert und wo Sanierungsbedarf besteht.

«Dazu gibt es aktuell sehr wenige Informationen», sagte Patrik Affentranger vom Verein «Freunde der Wauwiler Ebene». Ausgehend von den erhobenen Daten erstellen die Projektverantwortlichen das Konzept. Dieses hält fest, an welchen Stellen welcher Bodenwasserhaushalt anzustreben ist. So sollen schliesslich standortangepasste Sanierungsarbeiten erfolgen.

Martin Christen, Dienststelle Landwirtschaft und Wald (lawa), Roman Graf, Vogelwarte Sempach und Jakob Lütolf, Präsident des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes (LBV) hinter einem Schacht nahe des Sportplatzes Moos in der Wauwiler Ebene.  (Foto Thomas Blümli)

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Landwirtschaft in der Raumplanung verankern 

Gegenstand weiterer Projekte ist neben dem Entwässerungssystem der Boden. Dieser nahm in den Diskussionen der Workshop-Teilnehmer einen grossen Stellenwert ein, sagte Martin Fritsch von der Sofies-Emac AG, welche im Auftrag der «Freunde der Wauwiler Ebene» den Projektprozess begleitete. Ziel ist, die Sicherung des Bodens langfristig zu garantieren sowie das dazugehörige Wissen besser zugänglich zu machen. Die Projektgruppe erarbeitet dafür eine Übersicht zu den dazu vorhandenen Daten.

Zudem wird sie eine Vision für den zukünftig erstrebenswerten Zustand und den Umgang mit den Böden entwickeln. Auf diese Weise soll der Boden in der Wauwiler Ebene langfristig optimal und nachhaltig genutzt werden können. Basierend auf dem Bodenwasserhaushaltskonzept und der Vision Boden wird eine Projektgruppe ein landwirtschaftliches Nutzungskonzept erstellen. Dieses soll unter anderem aufzeigen, welche Flächen künftig der Landwirtschaft zur Verfügung stehen und wo die Ökologie Platz findet. Das landwirtschaftliche Nutzungskonzept soll raumplanerisch verankert werden. Ziel ist, das Konzept in den regionalen Richtplan aufzunehmen und damit behördenverbindlich zu machen.

Weiter soll mit einem Projekt zur Stärkung der landwirtschaftlichen Wertschöpfung beigetragen werden. Das Projektteam wird zukunftsorientierte betriebliche Entwicklungen verfolgen und die Rahmenbedingungen für eine konkurrenzfähige und standortangepasste landwirtschaftliche Produktion fördern.

Die Finanzierung ist noch ungeklärt

Es gelte nun, die Federführung der weiterführenden Projekte zu klären, sagte Martin Fritsch zum unmittelbar weiteren Vorgehen. Bis wann diese umgesetzt sein sollen, ist derzeit nicht definiert. Auch die Finanzierung ist noch ungeklärt. Sie soll projektabhängig erfolgen. Sowohl Martin Christen, Fachbereichsleiter Ländliche Entwicklung der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (lawa), wie auch Jakob Lütolf, Präsident des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes (LBV), ziehen ein positives Fazit zum Projekt. Martin Christen lobte die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure. «In den Diskussionen, die wir in den Workshops führten, gelang es den Teilnehmern, sich in die verschiedenen Perspektiven aller Beteiligter hineinzuversetzen. Das gegenseitige Verständnis wuchs.» Jakob Lütolf sagte, er sei zu Beginn des Projektes skeptisch gewesen. Er befürchtete Einschränkungen für die Bauern und eine Ausweitung des Naturschutzes. Es zeigte sich jedoch: «Die definierten Ziele sind auch für die Landwirtschaft von grosser Bedeutung. Mit dem Projekt haben wir einen soliden Grundstein für die weitere Zusammenarbeit gelegt.»

Info

Freunde der Wauwiler Ebene

Der Verein «Freunde der Wauwiler Ebene» setzt sich seit 2016 mit verschiedenen Projekten für die Stärkung der Identität der Wauwiler Ebene ein. Er strebt insbesondere die Abstimmung der Interessen von Wirtschaft, Ökologie und Gesellschaft innerhalb des Einzugsgebietes an. Vergangene Projekte waren 2017 « ‹On Tour› – mit dem Rad unterwegs von Gemeinde zu Gemeinde» sowie im vergangenen Jahr «‹Am Rand› – Planen und Gestalten am Übergang der Kulturlandschaft und Siedlung in der Wauwiler Ebene». Der Verein zählt 37 Mitglieder aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. 


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