Künstler Micha Aregger im Europawäldi beim KKLB.                           (Foto Sandro Portmann)
Künstler Micha Aregger im Europawäldi beim KKLB. (Foto Sandro Portmann)
09.04.2021

Von der Eisflocke zur Sommerflocke

von Sandro Portmann

Auf der Wiese hinter dem KKLB in Beromünster blühen mannshohe Pusteblumen. Bei der Kunstinstallation von Micha Aregger geht es um Spuren, Gemeinschaft und Hoffnung.

Den «Eisflocken» im Gletschergarten Luzern wurde ein neues Leben geschenkt. Nach der Ausstellung im Museum stehen sie nun als «Sommerflocken» beim KKLB – und das passt hervorragend, denn das Kunsthaus feiert derzeit unter dem Motto «Blumen für die Kunst» sein 100-Jahr-Jubiläum (10 Jahre KKLB plus 90 Jahre Landessender).

«Als die Ausstellung im Gletschergarten zu Ende ging, mussten wir überlegen, wie es mit der Installation weitergehen soll. Meine Frau hatte schliesslich die Idee der Pusteblume am Boden», erklärte Micha Aregger.

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Der Künstler aus Beinwil am See ist in Beromünster ein bekanntes Gesicht. So war er unter anderem Projektleiter vor Ort beim Projekt «Kunst im Spital» und seine sieben Meter hohe Skulptur «Gnadenfühler» sticht jedem Besucher beim Eingang des KKLB ins Auge.

2000 Personen machten mit

Im Gletschergarten, wo die Eisflocken während eines Jahres über den Gletschertöpfen hingen, erzählte die Kunstinstallation den Besuchern von der Eiszeit und ihren Spuren, aber auch von «der Vielfalt der menschlichen Individualität im ewigen Fluss der Zeiten», wie der Künstler sagt.

Rund 2000 Personen haben am Kunstprojekt mitgewirkt und dort einen Fingerabdruck hinterlassen. So erhielten 76 Schulklassen aus der Stadt und Agglomeration Luzern einen Bausatz, um die Eisflocke zu bauen, die aus einer Holzkugel besteht, Holzstäben und gebrauchten PET Flaschen. In den geschlossenen PET Flaschen befinden sich Spuren und Botschaften von Personen, die beim Projekt mitgemacht haben.

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Eine Botschaft hinterlassen

«Ausgangspunkt war der Eiskristall, er ist quasi der kleinste Teil eines Gletschers. Jeder Eiskristall, welcher bei Schneefall vom Himmel fällt, ist einzigartig wie ein Fingerabdruck. So ist das auch mit den Einschlüssen in den Eisflocken, in jeder sind (nun) individuelle Fingerabdrücke als Spuren integriert», erklärt Micha Aregger. Die geschriebenen Botschaften stammten von den Schülerinnen und Schülern, die einer Zeitkapsel gleich etwas für die Nachwelt hinterlassen konnten. «Es war aber das Ziel, nicht einfach einen Wunsch aufzuschreiben, sondern ein Gedanke an die Nachwelt weiterzugeben», so der Künstler.

Und was für Gedanken waren das? «Das ist ganz unterschiedlich», weiss Micha Aregger. Zwar seien die Botschaften geheim, da aber ein paar Eisflocken beim Transport kaputt gingen, kennt er eine einige der Gedanken der Schüler. Sie handeln von drängenden Fragen zu Themen wie dem Klima oder zur Flüchtlingspolitik. Aber auch ganz alltägliche Botschaften von Teenagern hatten Platz in der Kapsel: Jemand schrieb auf den Zettel: Ich bin verliebt und weiss nicht, wie ich auf Natascha (Name von der Redaktion geändert) zugehen soll.

Eine ging verloren

100 Eisflocken hätten es sein sollen. 99 kamen beim Kunsthaus beim Landessender an. «Ich kann mir nicht erklären, wo die eine Eisflocke geblieben ist. Vielleicht hängt sie noch in irgendeinem Schulzimmer», sagt Micha Aregger mit einem grossen Schmunzeln im Gesicht. Mit der Reise von Luzern nach Beromünster haben sich die Flocken zudem verändert. Aus der Eisflocke ist nun eine Sommerflocke geworden. Einer Pusteblume gleiche stehen die 99 weissen Flocken nun auf der Wiese beim Europawäldli und erfreuen die Besucher auf dem sich immer verändernden KKLB-Trip.

«Die Objekte erinnern jetzt an Pusteblumen und würde es funktionieren, würden die PET Kapseln durch den Wind weggetragen und die integrierten Botschaften der vielen Menschen wie in Samenkapseln weitergetragen. Hoffentlich auf fruchtbaren Boden», spannt der Künstler den Bogen.


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