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Warum der Kanton das Feuerverbot verschärft hat

Marion Gredig 14. August 2026

Im Kanton Luzern gilt das absolute Feuerverbot im Freien. Warum das so ist, erklärt Miguel Zahner, Fachbereichsleiter Schutzwald Kanton Luzern im Interview mit dieser Zeitung.

Im Kanton Luzern gilt das absolute Feuerverbot im Freien. Warum das so ist, erklärt Miguel Zahner, Fachbereichsleiter Schutzwald Kanton Luzern im Interview mit dieser Zeitung.

Miguel Zahner, was war der ausschlaggebende Grund dafür, die Massnahmen zu verschärfen, und welche konkreten Faktoren haben den Entscheid ausgelöst?

Aktuell ist die Waldbrandgefahr sehr gross. Zwei Kriterien führen zu dieser Einstufung: einerseits die Entstehungswahrscheinlichkeit und andererseits die Ausbreitungsgeschwindigkeit. Momentan genügt ein Funkenflug, damit sich ein unkontrolliertes Feuer rasch ausbreiten kann. Ein weiterer Aspekt ist das Löschwasser. Die Verfügbarkeit und Erreichbarkeit von Löschwasser beeinflussen die Wirksamkeit der Brandbekämpfung. 

Einen so heissen und trockenen Sommer wie in diesem Jahr hat es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Welche Erfahrungen aus früheren Jahren, etwa aus dem Hitzesommer 2003, sind trotzdem hilfreich – und was ist heute anders und kaum vergleichbar?

Das Waldbrandmanagement richtet sich nach dem integralen Risikomanagement. Zuerst wird das Risiko identifiziert und beurteilt. Dazu hat der Kanton Luzern eine Waldbrand-Risikokarte entwickelt. Wichtig sind vorbeugende Massnahmen. Im Bereich der Prävention fördern wir durch eine standortgerechte Waldbewirtschaftung vielfältige Mischwälder. Im Bereich der Vorsorge werden unter anderem Einsatzpläne erarbeitet und Einsatzkräfte ausgebildet. Eine zentrale Rolle spielt zudem die Kommunikation. Steigt die Waldbrandgefahr, wird die Bevölkerung frühzeitig informiert und sensibilisiert. Da die überwiegende Mehrheit der Waldbrände auf menschliches Verhalten zurückzuführen ist, leisten Präventionsmassnahmen und eine gezielte Information einen wichtigen Beitrag zur Risikoreduktion. Zusammengefasst haben wir Gefahren und Risiken identifiziert und beurteilt (Waldbrand-Risikokarte), Weiterbildungen zusammen mit den Feuerwehren organisiert und durchgeführt, Kommunikationsgrundlagen z. B. für die Gemeinden zur Verfügung gestellt und neue Kommunikationskanäle genutzt (z. B. Alertswiss). Forschungsergebnisse zeigen, dass die Waldbrandgefahr auch nördlich der Alpen zunehmen wird. Längere Trockenperioden, steigende Temperaturen und eine tiefere Luftfeuchtigkeit schaffen Bedingungen, die das Risiko von Waldbränden erhöhen. Mit den klimatischen Veränderungen ist auch im Kanton Luzern künftig mit mehr Tagen zu rechnen, an denen eine hohe Waldbrandgefahr besteht.

Was bedeutet das absolute Feuerverbot im Freien konkret? Können Sie einige Beispiele nennen, was nun verboten ist?

Das Entfachen von Feuer im Freien sowie sämtliche Handlungen, die eine Brandgefahr bewirken, sind im ganzen Kantonsgebiet verboten. Beispiele: Grillieren mit einem offenen Feuer in einer Feuerschale, Kohlegrill oder einem Pizzaofen sowie Abbrennen von Feuerwerk und Lagerfeuer. 

Auf der Website von lawa, Landwirtschaft und Wald, finden sich nützliche Hinweise. Welche Geräte oder Handlungen sind vom Verbot ausgenommen, zum Beispiel?

Erlaubt sind weiterhin Gas- und Elektrogrills.

Auf welcher Gefahrenstufe befindet sich der Kanton Luzern aktuell, und kann diese Stufe noch weiter ansteigen? Wie wird das entschieden?

Aktuell gilt die Waldbrandgefahrenstufe 5 mit der Massnahme «absolutes Feuerverbot im Freien». Dies ist die höchste Stufe. Wir nutzen unterschiedliche Informationsquellen: Die Bedingungen konkret im Wald und im Offenland: Förster/innen kennen ihre Wälder und führen eine Beurteilung durch. Modelle zeigen uns, wie sich die Gefahrenlage entwickelt. Anhand von Wettermodellen sehen wir, wo Niederschläge erfolgt sind und wann wieder mit Regen zu rechnen ist. Des Weiteren gewinnen wir Informationen zur Temperaturentwicklung. Absprachen mit dem Feuerwehrinspektorat und der Umweltschutzpolizei dienen uns dazu, z. B. Informationen zur Verfügbarkeit von Löschwasser zu erhalten.

Unter welchen Bedingungen wird das Verbot schrittweise gelockert oder ganz aufgehoben?

Damit sich die Lage deutlich entschärft, braucht es mehrtägige Niederschläge über das ganze Kantonsgebiet. 

Und welche drei realistischen Szenarien sehen Sie für die kommenden zwei Wochen – und wie würde der Kanton in den jeweiligen Fällen reagieren?

Für die kommenden zwei Wochen sind drei Szenarien denkbar:

1.) Eine weiterhin warme und trockene Phase (sehr wahrscheinlich) > Absolutes Feuerverbot im Freien bleibt aktiv.

2.) Eine Rückkehr zu wechselhafterem Wetter (unwahrscheinlich) > neue Beurteilung der konkreten Ausgangslage.

3.) Ein deutlicher Wetterumschwung mit kühleren Temperaturen und Niederschlag (sehr unwahrscheinlich) > neue Beurteilung der konkreten Ausgangslage.

Je weiter der Prognosezeitraum reicht, desto unsicherer werden die Aussagen der Wettermodelle.

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