Das Schauspiel «Spatz und Engel» konnte am Surseer Stadttheater wegen des Coronavirus nicht über die Bühne gehen. Ob und wann es nachgeholt wird, ist noch nicht klar. (Foto Helmut Seuffert)
Das Schauspiel «Spatz und Engel» konnte am Surseer Stadttheater wegen des Coronavirus nicht über die Bühne gehen. Ob und wann es nachgeholt wird, ist noch nicht klar. (Foto Helmut Seuffert)
07.06.2020

«Wir stecken in einer verzwickten Lage»

von Daniel Zumbühl

Mit der Lockerung der Versammlungsbeschränkung von fünf auf 300 Personen können auch die Theater in der Region ihre Türen wieder öffnen. Das grosse Problem ist die Zwei-Meter-Abstandsregel, die einen wirtschaftlichen Betrieb erschwert oder gar verunmöglicht.  

«Wir stecken gegenwärtig in einer ganz verzwickten Lage», bringt Daniel Gloor die aktuelle Situation auf den Punkt. Er präsidiert  die für die Operetten- und Musicalproduktionen am Stadttheater verantwortlich zeichnet. Letzteres ist nach wie vor geschlossen, alle Veranstaltungen, auch die Schauspiele, sind bis auf Weiteres abgesagt. Offen ist derzeit noch, ob der Kinoclub Sursee seine Filmvorführungen wieder aufnehmen kann. Für die Operette 2021 – auf dem Spielplan steht Paul Burkhards «Der schwarze Hecht» – sehe es im Moment nicht gut aus, so Gloor, auch wenn die Proben aufgrund des fehlenden Chors nicht wie üblich nach den Sommerferien, sondern erst im November begännen.

Im Orchestergraben ist es zu eng

Aufgrund der aktuell geltenden Abstandsregeln stellten sich nicht nur in Bezug auf das, was szenisch möglich sei, Fragezeichen. Problematisch wäre die Situation auch im rund 40 Quadratmeter grossen Orchestergraben, der im Normalfall bis zu 20 Musiker fasst. «Im Moment bräuchten wir für jede Streicherin vier und für jeden Bläser zehn Quadratmeter Platz», rechnet der Präsident vor. Unter Befolgung der aktuellen Abstandsregeln könnten noch 60 Prozent der Plätze im Parterre und auf der Empore besetzt werden, was gemäss Gloor mit einem hohen sechsstelligen Verlust für die Musik- und Theatergesellschaft nicht tragbar wäre – «ganz abgesehen davon, dass ein halb leeres Theater dem Ambiente nicht förderlich wäre». Dazu komme, dass die Getränkeabgabe nur an sitzendes Publikum möglich sei: «Wie im Gastgewerbe wäre das ohnehin schon begrenzte Platzangebot bei uns noch weiter limitiert, und die Pause würde so wohl eine Stunde dauern», gibt Gloor zu bedenken.

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Spielpause als «Notausgang»

Trotz aller Widerwärtigkeiten laufe die Planung der Operettensaison 2021 derzeit allerdings normal weiter. «Wir sind zuversichtlich, dass der Bundesrat bis Ende August die Auflagen weiter lockert.» Sollte dies nicht der Fall sein – sowie im Hinblick darauf, dass eine zweite Corona-Welle über das Land hereinbrechen und das Publikum aus Angst vor einer Ansteckung ausbleiben könnte –, behalte sich die Musik- und Theatergesellschaft vor, quasi als «Notausgang» eine Spielpause einzulegen und den «Schwarzen Hecht» auf 2022 zu verschieben. Der Entscheid darüber soll im September fallen.

Digitales Theater keine Alternative

Sollte die Zwei-Meter-Abstandsregel sakrosankt bleiben, könnte das Surseer Kleintheater Somehuus seine Herbstsaison nicht wie geplant am 5. September starten. «Unsere 90 Plätze würden zwar die neu erlaubte Grenze von 300 versammelten Personen bei Weitem nicht ritzen, aber wegen des Mindestabstands könnten wir pro Vorstellung nur 15 Plätze besetzen, was nicht mehr wirtschaftlich wäre», erklärt Präsidentin Lisa Birrer. Die verfügten Schutzmassnahmen könnten im Somehuus sichergestellt werden, und auch das Aufnehmen der Adressen wäre problemlos möglich, da ohnehin die Meisten den Vorverkauf benützen würden. Noch offen ist laut Birrer, ob der Barbetrieb möglich wäre. Anstelle physischer Vorstellungen digitales Theater zu machen, sei für sie persönlich keine Alternative: «Dahinter könnte ich nicht stehen.»

Nachholbedarf erschwert Planung

Dem Sempacher Kulturkeller im Schtei gehe es wie den meisten der Kleinbühnen in der Region, sagt Leiter Marco Sieber: «Das Frühlingsprogramm ist abgeschlossen, und jetzt folgt dann die Sommerpause. Daher stellt sich für uns die Frage, wie es jetzt in den kommenden Wochen weitergehen soll, nicht. Immerhin räumt Sieber ein, dass er sich wie andere Bühnen die Option offen halte, im Sommer noch die eine oder andere Zusatzvorstellung zur Rettung des Jahres auf die Beine zu stellen. Das Herbstprogramm werde im Schtei wie geplant aufgegleist, der Betrieb mit den üblichen Einschränkungen weitergehen – «falls es nicht zu einer zweiten Welle kommt». Dass nun die diversen Kulturinstitutionen im Herbst Nachholbedarf hätten, mache die Planung nicht einfacher, könne es doch mit den Terminen eng werden, : «Das Publikum vermehrt sich ja nicht. Damit es ohne Kannibalisierung geht, sind jetzt der Austausch und die Koordination unter den Veranstaltern wichtig.»

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Kunstausstellung «reloaded»

Eigentlich hätte das Surseer Museum Sankturbanhof seine Türen bereits Mitte Mai wieder öffnen können. Das tut es jetzt jedoch erst am 10. Juni, verbunden mit der Vernissage der Ausstellung «Aktuelle Kunst 2020 Luzerner Landschaft», deren Aufbau einen Tag nach Beginn des Lockdowns begonnen hätte und die jetzt unter dem Label «Reloaded» nur noch in Sursee, dafür mit 30 statt 14 Künstlern stattfindet. Die vergangenen Wochen nutzte man im Sankturbanhof für Renovationsarbeiten an Haus und Ausstellung und zur Vorbereitung der erwähnten Ausstellung. Gemäss Co-Leiterin Barbara Ruf wird dem Schutzkonzept gemäss Vorgaben des BAG und des Verbands Schweizer Museen konsequent nachgelebt. Dieses wird auch auf der Homepage des Museums einsehbar sein – zusammen mit dem laufend angepassten Veranstaltungsprogramm. 

Distanz erzeugte Nähe

Schon seit dem 12. Mai herrscht im KKLB in Beromünster wieder Betrieb. Bisher wurden allerdings nur Vierergruppen empfangen. Ab dem 7. Juni wären theoretisch wieder Führungen von bis zu 300 Personen möglich. «Tatsächlich werden es aber nie mehr als 50 sein», lässt der «Spiritus rector» des KKLB, der Surseer Künstler Wetz, durchblicken. Er habe die Feststellung gemacht, dass die körperliche Distanz mehr geistige Nähe erzeugt habe: «Die Wertschätzung seitens der Besucher stieg an, was unser Gesamtkunstwerk noch schöner machte.» Gemäss Wetz kann das KKLB die vom BAG verfügten Schutzmassnahmen – es reichte schon das zweite Schutzkonzept ein – problemlos einhalten: «Wir haben viele grosse Räume, und den Bettensaal öffnen wir nur für Kleingruppen. Nach der Benützung werden die Betten für 52 Stunden ruhen gelassen und die Kopfhörer besonders sorgfältig desinfiziert.» Insgesamt sei man im KKLB bisher gut durch die Krise gekommen, so Wetz: «Wir erfuhren auch finanziell viel Unterstützung. Es gibt für uns nichts zu jammern.»


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