Seit ein paar Monaten wohnen mein Mann und ich nun im sagenhaften Mauensee. Immer wieder, wenn uns jemand nach unserem neuen Wohnort fragt, kommt fast automatisch die Bemerkung: «Ah, ihr wohnt dort, wo diese herzigen, blauen Bushäuschen stehen?», und ich muss jedes Mal lächeln und antworte: «Genau dort!» Diese kleinen Bushäuschen sind uns damals auch sofort aufgefallen, und zwar noch bevor wir die hübsche St. Eligius Kapelle bemerkt hatten, die zusammen mit dem schönen Brunnen natürlich ebenfalls viele Blicke auf sich zieht.

Sabine Frey, Mauenseerin.
Foto zVg
Sie wirken, als kämen sie direkt aus einem Märchen oder einem Kinderfilm. Fast wie eine kleine «Pippi-Langstrumpf-Villa Kunterbunt», nur im Mini-Format und in «Mauenseeblau» statt in einem warmen Gelbton gestrichen. Und anstelle eines gefleckten Pferdes hält hier ein Bus. Ehrlich gesagt ist mir das viel lieber, als auf einem Pferderücken nach Sursee gebracht zu werden. Denn ich erinnere mich noch gut an meinen allerersten Pferdeausritt in der Camargue: Mein Pferd «Charly» interessierte sich mehr für das Schilf am Wegesrand als dafür, mich mit der Gruppe durch die Lagunen und Sümpfe zu führen. Schnell bildeten wir das Schlusslicht und alles gute Zureden half nichts. Ob es an meinen bescheidenen Französischkenntnissen oder meiner Reitunerfahrenheit lag, weiss ich bis heute nicht. Zum Glück griff die Pferdebetreuerin ein und brachte mich zusammen mit meinem störrischen Gaul zurück zur Gruppe. Nach diesem Erlebnis bin ich mehr als froh, dass ich bei einem dieser kleinen, blauen Häuschen einfach in den Bus steigen kann, der mich zuverlässig nach Sursee zum Bahnhof bringt. Dass an einem so alltäglichen Ort wie einem Bushäuschen manchmal sogar Blumenkistchen angebracht sind, finde ich einfach grossartig! Im Sommer blühten dort Geranien, danach leuchteten gelbe Chrysanthemen um die Wette und verliehen dem blauen Häuschen einen zusätzlichen Farbtupfer. Da wartet man morgens gleich viel lieber auf den Bus, weil der Tag schon bunt und heiter beginnt.
Und wenn es auf der Heimfahrt mit dem Bus wie aus Kübeln regnet, setze ich mich, bevor ich die letzten paar Meter zu Fuss nach Hause gehe, noch für einen Moment ins Bushäuschen und warte das Gröbste ab. Ich lausche, wie die schweren Tropfen aufs Dach prasseln, und irgendwie fühlt es sich dann richtig heimelig an, fast so, als sässe man in einer kleinen Stube, während draussen der Sturm über die Landschaft fegt. Also für mich steht fest: Wenn es einen Schönheitswettbewerb für Bushäuschen gäbe, Mauensee würde ihn gewinnen!
Diese Kolumne erschien zuerst in der 9. Ausgabe 2025 der «Mauensee Wellen».
