Gesundheitsdirektor Guido Graf informierte über die Lockerungen.  (Foto Thomas Stillhart)
Gesundheitsdirektor Guido Graf informierte über die Lockerungen.  (Foto Thomas Stillhart)
15.05.2020

Medical Center in Nottwil schliesst Ende Mai

von Red

Der Kanton baut das Medical Center Luzern in Nottwil bis Ende Monat zurück. 30 Angehörige des Zivilschutzes helfen. Seit dem 1. März stieg die Zahl der Arbeitslosen im Kanton um knapp 24 Prozent. 

Aufgrund der rückläufigen Ansteckungszahlen seien die Kapazitäten in den Luzerner Spitälern für die Behandlung von COVID-19-Patientinnen und -Patienten aktuell ausreichend. «Daher wird das Medical Center Luzern (MCL) in Nottwil bis Ende Mai 2020 zurückgebaut», teilt der Kanton mit.

Gesundheitsdirektor Guido Graf ergänzte an der Pressekonferenz vom Freitagnachmittag: «Ich wollte mit dem Entscheid, das MCL abzubauen, bewusst zuwarten, bis sich abzeichnet, ob sich aufgrund des 1. und 2. Lockerungsschrittes die Zahl der bestätigten COVID-19-Fälle erhöht.» Am Freitag und Donnerstag registrierte der Kanton keine neue Ansteckungsfälle, am vergangenen Mittwoch infizierten sich zwei Personen neu.

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Kanton übernimmt Kosten

Im Bedarfsfall könne das MCL im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) innerhalb von maximal drei Wochen wieder aufgebaut und in Betrieb genommen werden, erklärte Guido Graf. Die Ausgaben für das MCL belaufen sich schätzungsweise auf rund 200'000 bis 250'000 Franken. Sie werden vom Kanton übernommen.

An vorderster Front beim Aufbau dabei war Vinzenz Graf, Stabschef des Kantonalen Führungsstabs, aus Beromünster. «30 Angehörige des Zivilschutzorganisation Wiggertal helfen, das Medical Center bis Ende Mai abzubauen», erklärte er auf Anfrage. Möglich sei, dass das SPZ oder die Spono Eagles, ab Anfang Juni die in das MCL umfunktionierte Sporthalle für ihre Bedürfnisse wieder nutzen können. 

«Medical Center war richtig und wichtig»

Regierungsrat Guido Graf, Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements, sagte allgemein: «Das MCL musste zum Glück nicht in Betrieb genommen werden. Dennoch war es aus verschiedenen Gründen richtig und wichtig, dass man sich auf den Worst-Case vorbereitet hat.» Das MCL mit einer Kapazität von mindestens 200 Betten wäre im Bedarfsfall der gesamten Zentralschweizer Bevölkerung offen gestanden. Der Rückbau des MCL sei folgerichtig, da die Entwicklung der Fallzahlen dies zuliesse und andererseits genügend Bettenkapazitäten im Luzerner Kantonsspital, St. Anna und SPZ frei seien, so der Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements.

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Vinzenz Graf hat eine sehr strenge Zeit hinter sich, die ihn teils auch am Samstag und Sonntag forderte. Seit 16. Februar amtiert er als Stabschef des kantonalen Führungsstab. «Seit zwei Wochen ist es ruhiger. Wir tauschen uns noch einmal wöchentlich in einem Rapport aus», erzählt er. 

Graf stützt Bundesrat

Am Rande der Pressekonferenz äusserte sich Regierungsrat Graf auf Anfrage zum offenen Brief von Felix Gmür, Bischof von Basel, an den Bundesrat. Darin forderte der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, wieder Gottesdienste durchführen zu können. «Ich teile die Haltung des Bundesrats. Wir müssen vorsichtig sein», sagte Guido Graf. Es habe kein Wert, dass jeder Kanton eigene Geschwindigkeiten bei der Lockerung fahre. «Ich habe aber Verständnis für das Anliegen unseres Bischofs.»

Weitere Informationen des Gesundheits- und Sozialdepartements betrafen am Freitag das Drive-In-Testcenter. Ab Montagnachmittag, 18. Mai 2020, steht das Testcenter– neu auf den Gelände des Armeeausbildungszentrums Luzern – wieder zur Verfügung. Der Grund ist, dass die geschäftlichen Aktivitäten der Messe Luzern nicht beeinträchtigt werden sollen. 

Betriebe halten Schutzmassnahmen gut ein

Die Kantonale Industrie- und Gewerbeaufsicht (KIGA) von WAS wira Luzern hat seit dem 26. März 2020 insgesamt 291 Kontrollen von Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben durchgeführt. Die Betriebe halten die COVID-19-Schutzmassnahmen grundsätzlich gut ein. Bei rund einem Drittel der Fälle mussten lediglich kleinere Korrekturen angeordnet werden. Die Mängel wurden direkt vor Ort sofort behoben. Bisher wurden die Kontrollen durch vier KIGA-Mitarbeitende durchgeführt. Seit 11. Mai, dem Beginn einer weiteren Lockerungsphase, stehen dank der Koordination mit weiteren Behörden insgesamt bis zu 15 Kontrollierende im Einsatz. Ab diesem Zeitpunkt wurden in Zusammenarbeit mit der Lebensmittelkontrolle sowie der Gastgewerbe- und Gewerbepolizei auch die wiedereröffneten Gastgewerbebetriebe kontrolliert. Seit 11. Mai sind 100 Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe wie zum Beispiel Grossverteiler, Einkaufszentren, Verpflegungs- und Gastgewerbebetriebe etc. kontrolliert worden. Auch hier ergaben die Kontrollen grundsätzlich gute Resultate. Es mussten nur kleinere Anpassungen vorgenommen werden. Ab 20. Mai sind bis zu 120 Kontrollen pro Woche vorgesehen.

8800 Gesuche für Kurzarbeit

Stand 14. Mai sind im Kanton Luzern seit Ausbruch der COVID-19-Krise etwas über 8800 Gesuche für Kurzarbeitsentschädigung für rund 104'000 Arbeitnehmende eingereicht worden. 8450 der Gesuche sind bereits bewilligt worden. Bis heute wurden von der Arbeitslosenkasse über 45 Millionen Franken als Kurzarbeitsentschädigung ausbezahlt. Die mit den Gesuchen zusammenhängenden Abrechnungen wurden seit letzter Woche durch 30 Mitarbeitende bearbeitet. Bis am Freitag, 15. Mai, sind alle vollständig eingereichten März-Abrechnungen und bis Ende Mai sollten auch die vollständig eingereichten April-Abrechnungen bearbeitet sowie die Gelder ausbezahlt sein.

Wegen fehlender Angaben über die ausbezahlten Löhne und die geleisteten Arbeitsstunden vor Beginn der Kurzarbeit konnten viele Abrechnungen noch nicht erledigt werden. WAS wira Luzern arbeitet momentan in Zusammenarbeit mit dem SECO an einer neuen Online-Lösung, damit die Gesuche für die Kurzarbeitsentschädigung künftig als E-Formular einfacher und effizienter eingereicht werden können. Sobald die Online-Lösung zur Verfügung steht, wird WAS wira Luzern die Öffentlichkeit informieren.

Rund 6600 Gesuche für Erwerbsersatz

Stand 14. Mai sind rund 6600 Gesuche für eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung eingegangen. Über 88 Prozent davon wurden bereits bearbeitet. Insgesamt hat WAS Ausgleichskasse Luzern bisher Leistungen in der Höhe von rund 13,1 Millionen Franken an Eltern, Selbstständige und Personen in Quarantäne ausgerichtet. Ziel ist es, dass bis Ende dieser Woche mindestens 90 Prozent der Gesuchstellenden eine Auszahlung, ein Abklärungs- oder ein Bestätigungsschreiben erhalten haben. Die Umsetzung dieser durch den Bund verordneten Massnahme hat zu einem massiven Mehraufwand für WAS Ausgleichskasse Luzern geführt.

Arbeitslosigkeit ist leicht angestiegen

Die Anzahl der Stellensuchenden im Kanton Luzern ist seit dem 1. März auf etwas über 8350 Personen angestiegen. Das ist eine Zunahme von knapp 24 Prozent. Die Arbeitslosenquote ist im Kanton Luzern von 2,0 auf 2,3 Prozent innert Monatsfrist angestiegen.

Sport erhält Soforthilfe

Im Kanton Luzern haben Sportvereine, -verbände und weitere Nonprofit-Organisationen aus dem Bereich Sport seit April 2020 die Möglichkeit, Gesuche um Finanzhilfe einzureichen. Die Eingabefrist läuft bis Ende Mai 2020. Der Kanton Luzern unterstützt die Akteurinnen und Akteure im Sport, wenn deren finanzielle Situation aufgrund der COVID-19-Pandemie schwierig und die Weiterführung ihrer Tätigkeiten gefährdet ist. Regierungsrat Guido Graf: «Ich habe mich erfolgreich dafür eingesetzt, dass der Bund die Jugend- und Sportbeiträge ausrichtet, auch wenn die Kurse und Trainings wegen der COVID-19-Pandemie nicht stattgefunden haben.» Am Schluss zeigte sich Regierungsrat Guido Graf grundsätzlich erfreut über die Wirkung der Massnahmen. «Die Bevölkerung hat mit ihrer Disziplin beim Befolgen der Abstands- und Hygieneregeln massgeblich dazu beigetragen, dass die Fallzahlen rückläufig sind, sodass die Massnahmen schrittweise gelockert werden können.» Zugleich mahnt er: «Das Virus ist immer noch da und die Pandemie nicht ausgestanden. Wir müssen uns weiterhin an die Abstands- und Hygieneregeln halten, um uns und unsere Mitmenschen zu schützen und die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen so gering wie möglich zu halten.» Zudem seien Ansammlungen von mehr als fünf Personen in der Öffentlichkeit weiterhin untersagt und würden polizeilich geahndet.

«Gönnen Sie sich etwas»

Er forderte die Luzerner aber auch auf: «Leben Sie Ihr Leben. Gehen Sie zum Beispiel in ein Restaurant. Gönnen Sie sich etwas, denn wir werden länger mit dem Virus leben müssen.» Er selber besuchte bereits ein Restaurant diese Woche. «Der Wirt und das Personal freuten sich sehr über unseren Besuch.»


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