Audioagogin Anita Jäger leitete den Line Dance Workshop von Pro Audito Sursee. (Foto Gabi Bucher)
Audioagogin Anita Jäger leitete den Line Dance Workshop von Pro Audito Sursee. (Foto Gabi Bucher)
14.02.2020

Tanz auf der ganzen Linie

von Gabi Bucher

23 Menschen mit Hörproblemen beteiligten sich am Line Dance Workshop von Pro Audito Sursee. Gut möglich, dass sich daraus ein «kleines Kürschen» entwickelt, wie Präsidentin Albie Sieger durchblicken lässt.

Sie erwarte mindestens 20 Anmeldungen, hatte Albie Sieger vor einem Monat erklärt, als sie von ihrem experimentellen Projekt «Line Dance Workshop» des Vereins Pro Audito Sursee erzählte. Das schien etwas hoch gegriffen und sehr optimistisch, richtete sich doch die Ausschreibung nur an Menschen mit Hörproblemen. Aber Albie Sieger scheint ihre Schäfchen zu kennen, es fanden sich tatsächlich 23 Tanzinteressierte im Pfarreiheim Sursee ein, und, zur grossen Überraschung aller, ein Drittel davon waren Männer!

Man begrüsste sich herzlich, einige kannten sich bereits, man schwatzte, verglich Hörgeräte, tauschte sich aus. Die einen waren gekommen, weil sie gerne tanzen, andere, weil sie gerne von den Angeboten des Vereins profitieren. Mehrheitlich liess man durchblicken, dass man sich halt besser fühle unter Menschen, die dasselbe Problem haben. «Es ist schwierig, wenn man schlecht hört», erklärte eine Teilnehmerin. «Oft wagt man gar nicht, zuzugeben, dass man nichts versteht, und ich staune jeweils, wie sich viele da durchmogeln.»

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Audioagogin Anita Jäger, die bei Pro Audito Sursee Kurse leitet, ist praktischerweise auch Tanzlehrerin und liess sich auf das Projekt ein. Zum besseren Verständnis ihrer Anleitungen kam die neu angeschaffte mobile induktive Höranlage des Vereins zum Einsatz. Hörgeräte mit speziell eingebauter Induktionsspule empfangen deren Tonsignale direkt über einen Funkempfänger, der um den Hals getragen wird. «Es ist eine gute Gelegenheit, die Anlage zu testen – ein Experiment, wie der Workshop selber», erklärte Albie Sieger.

Schritt für Schritt ins Tanzvergnügen

Und dann war es so weit: Nach kurzem Aufwärmen, eher schon «Aufschwitzen», stand der erste Tanz an. Im Laufe der folgenden zwei Stunden zeigte sich, dass zwar nicht alle das Tanzen im Blut haben, dies aber keinen daran hinderte, es auszuprobieren. Anita Jäger ging auf allfällige körperliche Gebrechen ein, vereinfachte, was allenfalls vereinfacht werden musste, und schaffte es, der Gruppe die Grundschritte zweier Tänze beizubringen.

Nun tanzt sich Line Dance aber auch im Kreis, was sich als kleine Herausforderung herausstellte. Rechts und links waren plötzlich schlecht auseinanderzuhalten, Partner wurden teilweise willkürlich gewechselt oder übergangen – «übertanzt» wäre etwas zu viel gesagt. Taktvoll waren die Schritte auch nicht immer, das rhythmische Klatschen hat Verbesserungspotential, aber die gute Laune war allgegenwärtig, das breite Lachen im Gesicht auch. Die geplante zweite Pause wurde ausgelassen – zu schnell war die Zeit vergangen.

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Beim letzten Tanz glich der Kreis dann auch wirklich einem Kreis, und die «Partnerwechsel» vollzogen sich beinahe problemlos, ein voller Erfolg! In ihrem Enthusiasmus erklärte Albie Sieger, aus diesem Anlass könnte man durchaus ein «kleines Kürschen» machen. Es fehlt zwar noch die Zusage der Tanzlehrerin, aber die wird sie sicher auch noch überzeugen. Doch, so der allgemeine Tenor, es habe Spass gemacht. Nicht nur das Tanzen, auch die Tatsache, dies mit Menschen zu tun, die sich gegenseitig «verstünden», und dabei auch gleich noch neue Bekanntschaften zu schliessen. Nächster Anlass des Vereins: das Fasnachts-Lotto – bestimmt weniger anstrengend, aber sicher auch spannend.


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