23.06.2020

Viel Rauch um die Knutwiler Powerdays

von Thomas Stillhart

Sollen die Traktoren beim Knutwiler Schützenhaus weiterhin Gas geben? Einige Kantonsräte nahmen in der Debatte den rhetorischen Zweihänder hervor. 

Vor allem Pius Müller (SVP, Schenkon) und Andreas Hofer (Grüne, Sursee) liessen ihren Emotionen freien Lauf. «Die Umweltapostel finden immer einen Grund, etwas zu verbieten», ereiferte sich Müller und sprach von Ökopopulisten. Der Surseer Grüne bezeichnete das Tractor Pulling als eine «abartige Veranstaltung» und gar als «Tractor Bullshit Veranstaltung». 

Volksfest oder Horror?

Andreas Hofer weiss: «Das ganze Surental ist dankbar, wenn das Tractor Pulling nicht mehr bewilligt wird.» Pius Müller hielt entgegen: «Pulling ist ein Volksfest für Gross und Klein.» Mit einem Verbot rette man jedoch gar nichts.

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«Das ganze Surental ist dankbar, wenn das Pulling nicht mehr bewilligt wird.»
Andreas Hofer, Grüne Sursee

Isabella Schwegler (SP, Reiden) löste die Debatte mit ihrer Anfrage aus. Sie kritisierte den Regierungsrat: «Bisher ist er sorglos und oberflächlich mit der Bewilligung umgegangen.» Auch sie nahm Bezug zu den Bewohnern der Standortgemeinde: «Viele Knutwiler erfreuen sich am Tractor Pulling, für sehr viele ist der Anlass ein Horror.»

Bodenverdichtungen auch anderswo

Andere Kantonsräte gaben versöhnlichere Töne von sich. Martin Birrer (FDP, Emmen) mahnte: «Nicht nur beim Tractor Pulling gibt es Bodenverdichtungen. Welche Anlässe könnten noch durchgeführt werden, wenn auf landwirtschaftlichem Land nicht mehr parkiert werden darf?» Valentin Arnold (Grüne, Hüswil) zweifelte, ob das Pulling einem besonderen Bedürfnis entspreche. Für Urs Brücker (GLP, Meggen) ist das Pulling eine «üble Geschichte». Es sei völlig unnötig, dass hier so viele CO1 in die Luft geschleudert werde. 

«Die Umweltapostel finden immer einen Grund, etwas zu verbieten.»
Pius Müller, SVP Schenkon

«Für Knutwil ist das ein wichtiger Anlass», erzählte Toni Graber (SVP, Schötz). Er machte kürzlich einen Abstecher zum Festgelände in Knutwil und hielt fest, dass dort momentan «sogar etwas für der Ernährungssicherheit gemacht wird.» 

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Thomas Grüter (CVP, Pfaffnau) sagte, der Anlass habe Tradition und seine Berechtigung. «Die Konsequenzen eines Verbots wären immens. Grossveranstaltungen wären nicht mehr mehr möglich.» Dabei dachte er unter anderem an Schwingfeste, die auch meist auf grünen Wiesen durchgeführt werden und landwirtschaftliches Land zum Parkieren nützen.  

Kritisch überprüfen

Am Schluss der fast 30-minütigen Diskussion fasste Regierungsrat Fabian Peter die Zerrissenheit zusammen: «Ich werde gebeten, den Anlass wieder zu bewilligen und zu verbieten.» Er wiederholte, dass die Bewilligung kritisch überprüft werde. Dabei gehe es um ein Abwägen zwischen den Vorgaben und dem Unterhaltungswert der Bevölkerung. 

Gespräch im Herbst

«Bis im Herbst findet ein klärendes Gespräch mit der Gemeinde, den Dienststellen und dem Veranstalter statt», sagte der Regierungsrat. Abzuklären gelte es, wie und ob die Veranstaltung eine Zukunft habe. 

Ganz ausser Acht liessen die Kantonsräte die Bedeutung des Pulling für viele Vereine in der Region, die durch ihren Einsatz die Vereinskasse aufbessern können. In diesem Jahr fällt die Veranstaltung, die jeweils Mitte August durchgeführt wird, wegen Corona aus. 


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