Sie kamen im Traum – und blieben für immer: Tüfel, Lälli und Feuk, die unheimlichen Trabanten des Heini von Uri. Böse, redselig und hochmütig treiben sie seit Jahrhunderten ihr närrisches Unwesen in Sursee. Zwischen Masken, Geisseln und brennendem Böögg erzählen sie von Angst und Gelächter, von Spott, Stolz und Narrenfreiheit.
Der Traum vom Tüfel, Lälli, Feuk
Sie erschienen dem Heini von Uri im Traum, heute sind sie seine ständigen Begleiter: die Trabanten Tüfel, Lälli und Feuk – der Böse, der Redselige und der Hochmütige. Höhepunkt ist jeweils das Rennen um den brennenden Böögg. Nicht selten werden dort die zurückgelegten Runden gezählt.
Die Zunft konnte kurz nach ihrer Gründung die Originalmasken erwerben. Um auch die kleineren Kinder zu belustigen, wurden später als Pendants die Kindermasken Grobian, Chiletürmler und Vögelistruss geschaffen.
Die Masken konnten früher beim Heinivater gemietet werden. Die Kinder erfreuten sich an den Spielen mit den gefürchteten Masken und mit Geissel, Gabel, Besen oder Schweineblatern. Sie neckten, lärmten, brüllten und göissten. Die Trabanten seien «umhergesirachet» und den Kindern in den Gassen nachgesprungen. Sichere Orte waren, sich einzusperren oder sich auf die Kirchentreppe zu retten.
Tüfel
«Ich und du und deinedeht, hend em Tüfu s’Bei uszehrt» oder «Tüfel, Tüfel, Tüfel» schrien die aufgebrachten Kinder mir zu. Das ist heute weniger. Ich renne zwar gerne, Angst haben die Kinder immer noch, doch das Necken hat nachgelassen. Gut erzogen und anständig – die Kinder von heute eben.
Mein schwarz-rotes Kleid, mein schwarzer Kopf mit weissen, hervorstehenden Zähnen, die zwei grossen Hörner und die Gabel machen mich böse und gefürchtet. Ich liebe das Feuer, die Hitze und daher das Bööggverbrennen. An der Fasnacht sind die Leute wenig böse, eher lustig – das ist nichts für mich. Hat jemand etwas zum Leidwesen von sich oder anderen getan, deckt die Fasnacht das auf, am Narrenlaufen oder im «Lällisprotz».
Lälli
«Lälli, Lälli, Chesselboge, sebe Johr am Löui zoge» hiess es damals. Sieben Jahre soll ich am Noggi gelutscht haben. Heute hat mein Gesicht tiefe Runzeln, kleine rote Bäggli und runde rote Augen. Die Hörnli sind weich, fast wie zwei Wienerli, die es früher als Umzugsverpflegung gab.
Die Zunge, das Wichtigste an mir, ragt unter den oberen Zähnen hervor. Mein Kleid hat zwei weisse, rot umrandete, überlappte Kragen. Früher meinte man, ich sei aus einer Forelle entstanden. Heute sehen die aufgenähten Batzen schon eher wie Jetons aus. Schweineblatern sind grusig und bei uns kein Thema mehr. So bediene ich mich der Geissel.
Ja, redselig, das bin ich. An der Fasnacht sind das jene, die sonst nicht viel zu sagen haben oder sich nicht getrauen, etwas zu sagen. Reden ist Kommunikation. Die Umzugsspeaker sind Lällis: «Rrrr …» Nicht jeder Heinivater konnte reden, der neue holt das nun nach. Der «Lällisprotz» ist meine Welt. Themen gibt es genügend: Wenn selbst ein Zünftiger die Poller rammt oder ein anderer die Güselsäcke vergisst mitzunehmen und stattdessen beim Abräumen der Christbäume die Strassenlaterne mitnimmt. Die Güselsäcke sind bis zur Fasnacht weg, aber es wird viele neue geben.
Feuk
«Feuk, Feuk hed d’Hose versteukt!» hat es von der Kirchentreppe getönt. Ich bin der rote Teufel im roten Rock. Das Gesicht glänzt wie Kupfer, ein spitziges Kinn und die runden Augen mit weissem Rand lassen mich treuherzig und verschmitzt aussehen. Der Besen ist nicht zum Wischen, sondern um eins Auszuwischen da. Meine Hörnli stammen von einem Munali, der Kamm nach hinten ist so gross wie ein halbes Schiff. Eigentlich könnte ich auch eine Hexe sein, aber davon spricht man in Sursee nicht gerne. Wir sagen Diebenturm und nicht Hexenturm. Sonst gäbe es die Hexenturmtöibeler.
Ich bin stolz und hochnäsig. Solche gibts in Sursee immer wieder: Je mehr sie abheben, umso tiefer fallen sie. Seid stolz auf die zweitbeste Fasnacht des Kantons. Sursee möchte eh gerne das zweite Zentrum sein. Aber hallo – mit Sändeln im Zentrum der historischen Altstadt, Pumptracks vor den Stadtvillen oder einem alternativen Kulturzentrum bei der teuren Bahnhofstrasse reicht das nicht. Hütet euch, ab heute regiert der Heini. Macht es wie die Zunft: Kauft günstig einen «Spanien Rioja», schlagt was drauf, füllt ihn ab, schlagt was drauf, setzt die Jubiläumsetikette drauf und schlagt was drauf – fertig ist der edle Jubiläumswein.
Heini von Uri
Nimm dir die Narrenfreiheit
Die Zunft Heini von Uri Sursee beruft sich auf mich als den Hofnarren Heini von Uri. Das ist speziell, war ich doch im Gefolge des Herzogs Leopold III. von Österreich an der Schlacht bei Sempach im Jahre 1386 nicht im eidgenössischen, sondern im feindlichen habsburgischen Lager. Den Schlachtausgang erlebte ich mit gemischten Gefühlen. Mein Herzog kam ums Leben. Hätte er nur auf mich gehört und sich nicht auf die starken Eidgenossen eingelassen. Ich konnte aber, und das war schön so, in Sursee bleiben und mein Unwesen treiben. Später folgte ich meinem Herzog in die Nähe seines Grabs. Königsfelden ist genau der Ort, an dem der jetzige Heinivater geboren wurde.
In meiner Heimat Sisikon war ich leider nie mehr, meine Wurzeln von dort haben mich stets gestärkt. Auch Luzern habe ich nicht vergessen. Man hat mich in dieser schönen Stadt fürsorglich aufgenommen. Nur haben die meinen Spass nicht verstanden, was mich fast das Leben gekostet hätte. Nachdem ich das Schwimmen in der Reuss überlebte, musste ich die Stadt verlassen und fand im Schloss Rued im Aargau Unterschlupf, bei den Habsburgern also.
Wer hat sie erfunden, die Fasnacht? Sie ist in Sursee alt. Seit ich nach der Schlacht in der Löffelburg hinter der Grabenmühle integriert wurde, bekam sie ein besonderes Klischee. Ich darf bis heute Patron einer löblichen Narrenzunft sein. Alljährlich bleibe ich im Geleite von Tüfel, Lälli und Feuk im Zentrum der närrischen Tage. Mein Traum vom Bösen, dem Redseligen und dem Hochnäsigen spiegelt sich heute noch in mir.
Lebe mit mir die Narrenfreiheit, lebe die nächsten närrischen Tage in und um Soorsi. Ich freue mich auf dich, wenn ich dann an der Narrennacht am Güdismändig mit Herzog Leopold auf einem Nauen in das Städtli einfahre.
Dass mein irdischer Nachfolger in diesem Jubiläumsjahr ein Aargauer ist, freut mich. Ich hatte es immer lustig mit den Habsburgern. Giovi Valetti ist zwar kein habsburgischer Name, kann aber endlich beweisen, dass auch Aargauer Fasnacht machen können. Mögen mein Spass und meine Demut ihn auf der Erde erreichen. Möge er der Bevölkerung das geben, was ihm meine Trabanten beigebracht haben: lustig, fröhlich, ausgelassen sein und wieder mal in den Spiegel schauen.
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