Im unmittelbaren Uferbereich wurden die Fischunterschlupfe und Pflanzenbestände mit dem Elektrofanggerät untersucht. (Foto Pascal Vonlanthen)
Im unmittelbaren Uferbereich wurden die Fischunterschlupfe und Pflanzenbestände mit dem Elektrofanggerät untersucht. (Foto Pascal Vonlanthen)
16.07.2019

Fischbestände unter der Lupe

von Red

Erstmals liess der Kanton die Fischbestände im Sempachersee methodisch untersuchen und bewerten. 20 Fischarten wurden nachgewiesen. 15 Arten sind einheimisch, fünf wurden eingeschleppt. 

Die Artenzusammensetzung der Fischgemeinschaft eines Gewässers stellt einen hervorragenden Indikator für dessen Status als Ökosystem dar. Aus den klassischen Fischfangstatistiken und weiteren Beobachtungen ist die Fisch-Artenvielfalt im Sempachersee zwar bekannt. Zahlreiche Fischarten werden aber aus unterschiedlichen Gründen gar nicht befischt.

Bild einer Rotfeder auf dem Messtisch. Von dieser Fischart wurden insgesamt 312 Stück gefangen. Rotfedern wurden zahlenmässig am sechsthäufigsten gefangen. (Foto Pascal Vonlanthen)

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Mit anderen Seen vergleichbar

Um ein vollständiges Bild der Bestände im See zu erhalten, gab die Dienststelle Landwirtschaft und Wald eine vom Bund finanziell unterstützte Untersuchung in Auftrag. Gewählt wurde eine Erhebung nach einem reproduzierbar standardisierten Vorgehen, der sogenannten Projet-Lac-Methode. Durch diese Aufnahmemethodik können die Ergebnisse aktuell mit 29 anderen Seen der Schweiz verglichen werden. Zudem kann die Entwicklung des Fischbestandes durch spätere Folgeuntersuchungen als Monitoring fortgesetzt werden.

Felchen und Egli dominieren

Im Herbst 2018 fand über mehrere Tage hinweg ein aufwändiges Befischungsprogramm statt. Insgesamt wurden 13'186 Fische gefangen. In der grossen Mehrzahl waren die gefangenen Tiere Kleinfischarten oder Jungtiere im Gesamtfanggewicht von rund 565 kg. Dies entspricht 0,6 Prozent der jährlichen Fangmenge durch Berufs- und Angelfischerei.

In Ufernähe wird ein Bodennetz ausgelegt. Im Unterschied zu den Netzen der Berufsfischer verfügen die verwendeten Multimaschennetze über unterschiedlichste Maschenweiten. (Foto Pascal Vonlanthen)

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Nachgewiesen werden konnten 20 Fischarten, eine Hybridform sowie die Art Kamberkrebs. Von den aktuell nachgewiesenen Arten gelten nur deren 15 als im Sempachersee standortgerecht und historisch belegt. Fünf Arten sind als eingeschleppte, standortfremde Arten zu taxieren (Blaubandbärbling, Kaulbarsch, Sonnenbarsch, Wels und Zander).

Die Resultate der Untersuchung stammen aus insgesamt 340 Befischungsaktionen aus den Flächen mit 36 Vertikalnetzgruppen, 184 Bodennetzen und 120 elektrisch befischten Uferstrecken. (Abbildung Thomas Kreienbühl)

Attraktiv für Berufs- und Angelfischerei

In absoluten Zahlen wurden Egli am häufigsten gefangen; rund 7700 Tiere mit einem Gewicht von fast 190 kg. Gemäss Hochrechnung der erzielten Resultate pro Habitattyp (z.B. Uferbereich, Offenwasser- oder Tiefenwasserbereich) auf die gesamte Ausdehnung der einzelnen Habitattypen im See, liegen die Felchen noch vor den Egli. Felchen sind zahlenmässig etwa anderthalbmal so häufig wie Egli, gewichtsmässig dürften die Felchen das Sechsfache der Biomasse aller Egli aufweisen. Diese beiden Arten dominieren als Fischarten im Sempachersee, was entsprechend attraktiv für die Berufs- und Angelfischerei ist.

Ein Sempacherseefelchen auf dem Messtisch. Hochgerechnet auf die Seefläche machen Felchen den Hauptanteil der Fischbiomasse im Sempachersee aus.Sie gelten als «Brotfisch» der Berufsfischerei. (Foto Pascal Vonlanthen)

Wirksame Investitionen in Seesanierung

Der nun vorliegende Schlussbericht zeigt den Sempachersee als Beispiel für einen See, dessen Charakteristika im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte durch Seespiegelabsenkungen und im letzten Jahrhundert durch übermässigen Nährstoffeintrag stark verändert wurde. Die menschgemachten Beeinträchtigungen gipfelten im massiven Fischsterben im Jahr 1984, bei dem 26 Tonnen Fische verendeten. Es ist davon auszugehen, dass einzelne Fischarten durch die menschgemachten Veränderungen verschwunden sind. Die aktuelle Erhebung zeigt auf, dass sich die grossen Investitionen der see-internen Massnahmen (Sauerstoffeintrag, Belüftung und Zirkulationshilfe) wie auch der see-externen Massnahmen (Phosphorprojekte, Abwasserreinigungsanlagen etc.) zur Seesanierung lohnen. Sie vermögen den Lebensraum Sempachersee nachweislich ökologisch zu beleben.

Info

Artenliste sortiert nach Häufigkeit


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